Ein junger Mann, der mittlerweile für Exhibitionismus verurteilt worden ist, hat im letzten Jahr versucht, das Grand Casino Baden zu überfallen. Beim aktuellen Gerichtsverfahren wurden viele Details öffentlich bekannt, die den Täter in einem neuen Licht erscheinen lassen.

Ueberfall Polizei CasinoRaubüberfall mit Granate und Pistole geplant

Als im letzten Jahr ein 23-jähriger Schweizer, bewaffnet mit einer Blendgranate und einer Soft-Air-Pistole, das Grand Casino Baden betrat, hätte es zu einer dramatischen Situation kommen können. Der junge Mann war maskiert und wirkte entschlossen. Doch nachdem er schnellen Schrittes den Haupteingang durchschritten hatte, überlegte er es sich plötzlich anders, als er vor dem eigentlichen Eingang des Casinos stand. Der Täter drehte um und entkam unbehelligt. Doch durch Zeugenaussagen und Videoaufnahmen sowie die folgenden Ermittlungen der Polizei gelang es noch am selben Abend, die flüchtige Person festzunehmen. Dabei stellte sich heraus, dass der Tatverdächtige nach wie vor die Soft-Air-Pistole und die Blendgranate bei sich trug. Das war Anlass genug für die Beamten, eine sofortige Festnahme anzuordnen und Anzeigen wegen Verstößen gegen das Sprengstoffgesetz und das Waffengesetz zu stellen.

Glücklicherweise ist beim versuchten Überfall niemand zu Schaden gekommen. In Spielhallen und Spielcasinos sind Überfälle keineswegs eine Rarität. Anders als in Online Casinos lockt in den klassischen Glücksspielstätten Bargeld. Aber die Situation hätte schnell eskalieren können, wenn der Täter von Casino-Mitarbeitern eingestellt worden wäre. Auch wenn es sich „nur“ um eine Blendgranate handelte, hätte mit dieser gefährlichen Waffe im Casino eine dramatische Panik verursacht werden können. Verletzungen von Anwesenden wären nicht auszuschließen gewesen. Der junge Mann hatte das Glück, dass er rechtzeitig beschloss, das Casino zu verlassen. Im Gerichtsverfahren behauptete der Angeklagte, dass er es sich im letzten Moment anders überlegt habe. Aber ganz sicher ist das nicht. Laut Zeugenaussagen und Videoaufnahmen wäre es auch möglich, dass der Täter gedacht hat, dass das Casino bereits geschlossen sei. Bei einem erfolgreichen Überfall wäre die Strafe mit Sicherheit höher ausgefallen als im aktuellen Verfahren.

Täter auch wegen Exhibitionismus verurteilt worden

Neben der Anklage wegen Verstößen gegen das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz musste sich der junge Schweizer im aktuellen Gerichtsverfahren auch wegen Exhibitionismus verantworten. Angeblich habe der Mann im September 2018 an einer Bushaltestelle zwei Damen seinen Penis gezeigt. Der Angeklagte bestritt jedoch, die Tat begangen zu haben. Bei einer Gegenüberstellung waren sich die betroffenen Damen zu 90 Prozent sicher, dass es sich um den Täter handelte. Das reichte dem Richter im aktuellen Verfahren, um den Angeklagten aufgrund von sexueller Belästigung, Exhibitionismus, versuchtem Raub und wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz zu verurteilen. Die Strafe lautet auf 180 Tagessätzen zu je 110 Franken. Allerdings gilt die Geldstrafe auf Bewährung für zwei Jahre, sodass der verurteilte Täter nicht zahlen muss, wenn keine weiteren Taten im Bewährungszeitraum erfolgen.

Ganz ungeschoren blieb der Angeklagte aber trotzdem nicht. Eine Geldbuße in Höhe von 1.500 Franken muss der junge Mann in jedem Fall zahlen. Darüber hinaus legte der Richter den Angeklagten auch die Prozess- und Verwaltungskosten zur Last. In einem weiteren Verfahren vor der Militärjustiz muss sich der Verurteilte zudem wegen weiteren Verstößen gegen das Waffengesetz und das Sprengstoffgesetz verantworten. Der Richter im aktuellen Verfahren stellte fest, dass das Bezirksgericht nicht für alle Gesetzesverstöße, die dem Angeklagten zur Last gelegt wurden, zuständig sei. In einem Rechtsstaat ist es kein Verbrechen, über eine Tat nachzudenken, auch wenn die Planung im Kopf bis ins letzte Detail erfolgt. Aber wenn ein realer Versuch stattfindet, wird aus einer Idee eine strafbare Tat. Das ist dem verhinderten Casino-Räuber in der Schweiz zum Verhängnis geworden.