Die staatliche Lotterie des US-Bundesstaates Kalifornien sucht einen neuen Direktor. Hugo Lopez beugte sich am vergangenen Freitag des immer größer werdenden Drucks und reichte seinen Rücktritt ein. Die Anschuldigungen gegen den ehemaligen Direktor sowie weitere Angestellte der staatlichen Lotterie wiegen schwer. Eine vom Gouverneur persönlich eingesetzte Untersuchungskommission bringt unterdessen Schritt für Schritt die ganze Dimension des Skandals ans Tageslicht. Es lässt sich allerdings bereits zum jetzigen Zeitpunkt feststellen, dass es sich um den größten Skandal der kalifornischen Lotteriegesellschaft, wenn nicht gar in der Geschichte der gesamten amerikanischen Lotterie handelt.

Hugo Lopez California LotteryAnonymer Brief an den Gouverneur bringt Stein ins rollen

Hugo Lopez stand der staatlichen Lotterie in Kalifornien seit 2015 als Direktor vor, nun musste er seinen Stuhl räumen. Sollten sich auch nur einige der gegen ihn und weitere Angestellte der Lotteriegesellschaft erhobenen Vorwürfe bewahrheiten, drohen allerdings noch wesentlich weitreichendere Konsequenzen. Dass es so weit kam und die zum Teil massiven Verstöße der leitenden Angestellten überhaupt aufgedeckt wurden, verdankt die Öffentlichkeit einem anonymen Brief an den Gouverneur von Kalifornien. Dieser Brief soll ebenfalls von einem Arbeitnehmer der Lotterie stammen und neben brisanten Details auch Fotos beinhalten. Auf den Fotos soll demnach massives Fehlverhalten von gleich mehreren leitenden Angestellten der kalifornischen Lotterie zu sehen sein.

Die Aufnahmen wurden bereits im Jahre 2016 in einer Piano Bar in Claremont, Kalifornien, aufgenommen. Außerdem sollen sich die beteiligten Personen abfällig über einzelne Mitarbeiter geäußert und unmissverständlich klargemacht haben, dass Beförderungen einzig und allein von der Gunst der jeweiligen Führungskräfte abhängen. Der Verfasser des Briefes bat Gouverneur Jerry Brown darum, eine Untersuchungskommission einzusetzen.

Eingeleitete Untersuchungskommission bringt groteske Details ans Licht

Entsetzt kam Gouverneur Brown der Bitte nach, allerdings hätte er wohl selbst nicht erwartet, dass es sich dabei lediglich um die Spitze des Eisberges handelte. Es gab wohl keine Regulierung und keine Vorgabe, gegen die vom Lotteriepersonal nicht verstoßen wurde. Das gesamte Ausmaß des Skandals liegt jenseits jedweder Vorstellungskraft. So wurden beispielsweise mehr als 16.000 $ für Stifte in Form von Baseballschlägern ausgegeben. Darüber hinaus wurden für rund 21.000 $ Geschenkartikel für ausgewähltes Personal angeschafft. Beim Verwischen ihrer Spuren zeigten sich die Angestellten allerdings äußerst kreativ. So deklarierten sie beispielsweise besonders dubiose Anschaffungen als Lehrmaterial. Etwas mehr als 83.000 $ wurden entgegen gültiger interner Vorgaben für Übernachtungen in Hotels ausgegeben. Obwohl es den Angestellten strikt untersagt wurde, Hotelkosten abzurechnen, wenn sich ihr Wohnsitz 50 Meilen (80 Km) von einer Veranstaltung entfernt befindet, wurden diese Regulierungen mehrfach missachtet.

Laut Abschlussbericht der Untersuchungskommission belaufen sich die Kosten für den Steuerzahler auf insgesamt über 300.000 $. Angesichts dieses Ausmaßes dürften sich frustrierte Kunden in Zukunft wohl eher einem neuen Online Casino zuwenden, als weiterhin der Lotterie treu zu bleiben. Betty Yee, die der Kommission angehörte, beklagte zudem fehlende Kontrollmechanismen. Es habe weder Kontrollen bei den Abrechnungen noch Kontrollen bei der Einhaltung der Unternehmensvorgaben gegeben.

Inzwischen haben sich auch Vertreter der Lotteriegesellschaft zu Wort gemeldet und die Verfehlung eingeräumt. Darüber hinaus sicherte die staatliche Lotterie zu, die Vorschläge der Untersuchungskommission zur Vermeidung zukünftigen Fehlverhaltens vollständig zu übernehmen. Zusätzlich werde man verpflichtende Schulungen für das gesamte Personal einführen. Die Zukunft von Hugo Lopez bleibt unterdessen unklar, allerdings dürfte es unwahrscheinlich sein, dass Lopez noch einmal eine Führungsposition bei einem Glücksspielunternehmen übernehmen wird. Mehr Informationen gibt es auf dieser Seite!