Die European Gaming and Betting Association (EGBA) hat das neu gewählte europäische Parlament und die EU-Kommission dazu aufgefordert, das Online-Glücksspiel in Europa strenger zu regulieren, um die Glücksspiel-Fans besser zu schützen. Der renommierte Branchenverband hat ein Manifest veröffentlicht, in dem die Forderungen detailliert aufgelistet sind.

europa gesetzFehlende europäische Regelung als Hauptproblem

Aktuell gibt es für Online-Buchmacher und Online Casinos keine umfassende europäische Regulierung. Das führt dazu, dass es in jedem Land der Europäischen Union unterschiedliche Situationen für die Glücksspiel-Fans gibt. In manchen Ländern wie Malta und Großbritannien ist das Glücksspiel sehr gut reguliert. In anderen Ländern gibt es überhaupt keine Casino-Lizenzen, gleichzeitig aber auch kein wirksames Verbot von Sportwetten bzw. Online Casinos. Die Leidtragenden sind aus Sicht der EGBA die Kunden der Anbieter. Bei den Buchmachern und Casinos im Internet hängt letztlich alles davon ab, ob die Betreiber seriös und fair arbeiten. Die Wahl der Jurisdiktion ist dabei ein wichtiger Hinweis. Beispielsweise werden Anbieter in Großbritannien, Schweden und Malta deutlich strenger kontrolliert als in vielen anderen Ländern.

Laut einer Studie der City University of London gibt es allerdings nur einen einzigen Staat in der EU, der die umfassenden EU-Verbraucherschutzregeln auch bei Anbietern von Sportwetten und Casino-Spielen im Internet umgesetzt hat: Dänemark. Das bedeutet aber auch, dass die meisten Glücksspiel-Fans, die im Internet spielen, nicht perfekt geschützt sind. Zwar gibt es umfassende Bemühungen bei den renommierten Lizenzierungsbehörden wie der Malta Gaming Authority und der UK Gambling Commission, die Regeln zu verschärfen. Die Europäische Union ist jedoch an der Verbesserung der Regulierungen derzeit nicht beteiligt. Nicht nur die EGBA sieht darin einen großen Mangel, denn auch wenn in den letzten Jahren vieles besser geworden ist auf dem Sportwetten- und Glücksspielmarkt, gibt es doch immer noch viel zu tun.

Alle EU-Bürger sollten gleichen Schutz bekommen

EGBA argumentiert im neuen Manifest, dass alle EU-Bürger, die Casino-Spiele oder Sportwetten im Internet nutzen, gleich gut geschützt werden sollten. Das wäre aber nur mit einer EU-Regulierung möglich, für die es aktuell vermutlich keine Mehrheit gäbe. Solange nicht einmal ein großes Mitgliedsland wie Deutschland dazu in der Lage ist, dieses Problem innerhalb des eigenen Landes einheitlich zu lösen, gibt es wohl wenig Hoffnung dafür, eine EU-Lösung für seriöse Online Casinos und Buchmachern zu finden. Gleichwohl ist der Anspruch der EGBA richtig und nachvollziehbar, denn langfristig ist es für alle seriösen Anbieter auf dem Sportwetten- und Glücksspielmarkt wichtig, einheitliche Regeln zu haben und die schwarzen Schafe vom Markt zu vertreiben. Bislang gibt es noch zu viele Schlupflöcher für Anbieter, die sich nicht an die Regeln halten und keinen ausreichenden Spielerschutz bieten.

EU-Verbraucherschutz könnte wichtiger Hebel werden

Im Manifest der EGBA wird vorgeschlagen, die EU-Empfehlungen zum Verbraucherschutz, die 2014 von allen Mitgliedsländern unterzeichnet wurden, verbindlich zu machen. Diese Regeln würden auch alle Anbieter von Glücksspielen und Sportwetten betreffen, sodass zumindest an dieser Stelle ein einheitlicher Standard geschaffen würde. Das würde bereits einige Probleme lösen, denn Verbraucherschutz ist letztlich in einem Casino nichts anderes als Spielerschutz. Solange eine umfassende Regulierung, idealerweise mit einer EU-Lizenz für Casinos und Buchmachern, nicht möglich ist, wäre es zumindest wichtig, in beim Verbraucherschutz Fortschritte zu machen. Seit Jahren wachsen die Umsätze auf dem Sportwetten- und Glücksspielmarkt, ohne dass die Politik in Europa für eine sinnvolle Regulierung sorgt.

Die EGBA fordert die Europäische Kommission im aktuellen Manifest dazu auf, eine Expertengruppe einzurichten, in der vor allem Mitglieder der nationalen Regulierungsbehörden für Casinos und Sportwetten vertreten sein sollen. In dieser Expertengruppe könnten Vorschläge für eine europaweite Regulierung geschaffen werden. Ein riesiger Fortschritt wäre es bereits, wenn gemeinsame Standards geschaffen würden, an die sich alle Regulierungsbehörden in den Ländern der Europäischen Union halten müssten. Darüber hinaus gibt es auch den Hinweis, dass die EU die Möglichkeit hätte, auch im Steuerbereich einiges zu bewegen. Viele Experten bemängeln immer wieder, dass zahlreiche EU-Staaten ohne Regulierung auf ein hohes Potenzial an Steuereinnahmen freiwillig verzichten.