Deutscher Glücksspielmarkt Teil3 – Auswirkungen auf Wirtschaftszweige

Der Deutsche Glücksspielmarkt Teil 3!An Hand der umfassenden Studie „Der Deutsche Glücksspielmarkt – eine volkswirtschaftliche Betrachtung“ vom Handelsblatt Research Institut haben wir uns im ersten Teil ausführlich mit den drei verschiedenen Glücksspielmärkten in Deutschland befasst. Hier wurde deutlich, dass das Gesamtwachstum der Branche vor allem vom Bereich des nicht-regulierten Marktes aus Online Casinos und Sportwetten im Internet getragen wird. Im zweiten Teil zeigten wir die immense direkte Bedeutung des Glücksspielmarktes für die deutsche Volkswirtschaft auf. Mit fast 200.000 Beschäftigten allein im regulierten Markt und steuerbaren Umsätzen von rund 14 Milliarden Euro, liegt allein dieser Bereich in der Größenordnung der Pharmaindustrie. Interessanterweise wird die gesamte Glücksspielindustrie, trotz der großen volkswirtschaftlichen Bedeutung gegenüber anderen Branchen vonseiten der Politik völlig anders behandelt. Durch die nun umzusetzenden Abstandsregeln und Verbote von Mehrfachkonzessionen werden mehr als 50 Prozent der Spielotheken im Land schließen müssen. Während ein Stellenabbau von mehreren Zehntausenden Arbeitsplätzen normalerweise die Politik auf den Plan ruft, bleibt der Aufschrei über den Kahlschlag im Glücksspielmarkt aus. Schlimmer noch, er wird durch die Politik ausgelöst. Doch nicht nur im direkten Umfeld aus Betreibern von Spielotheken und den daran geknüpften Arbeitsplätzen ist die Glücksspielbranche ein wichtiger Faktor. Auch auf andere Wirtschaftszweige strahlt sie stark aus und somit beeinflussen die neuen Gesetze auch diese Märkte gewaltig.

Die deutsche Glücksspielwirtschaft hat gehörigen Einfluss auf den Immobiliensektor

Um eine zukünftige Entwicklung im Bereich der Immobilien, die von Spielotheken, Lotto-Annahmestellen und Wettshops gemietet oder gekauft werden, abschätzen zu können, lohnt es sich an Hand der Daten zuerst den momentanen Istbestand zu erfassen. Hier kommt die Studie vom Handelsblatt Research Institut auf eine geschätzte Gesamtzahl von rund 36.000 Immobilien im gesamten Bundesgebiet, die sich auf die einzelnen Formen des Glücksspiels verteilen. Klarer Spitzenreiter ist hier mit 21.977 Annahmestellen der Deutsche Lotto- und Totoblock. Den zweiten großen Posten machen mit 9.000 Zockerbuden die Spielotheken aus, dicht gefolgt von den Annahmestellen für Sportwetten von privaten Betreibern mit rund 5.000 Immobilien. Weit abgeschlagen entfallen noch 180 Etablissements auf Pferdewetten und 67 auf Spielbanken, wobei hier auch die 19 reinen Automatencasinos mit eingerechnet wurden. An Hand der schieren Größe von rund 36.000 Immobilien, die von der Glücksspielbranche in Deutschland hauptsächlich gemietet werden, wird ersichtlich, dass dieser Wirtschaftszweig ein großen Einfluss auf den Immobilienmarkt hat. In der Zukunft werden dabei vor allem zwei Faktoren für gravierende Veränderungen sorgen. Zum einen die neuen Abstandsregeln und das Verbot von Mehrfachkonzessionen und zum anderen das ungeheure Wachstum der Online Casinos, der Sportwetten im Internet und der Zweitlotterien.

Nachrückende jüngere Generation, die mit dem Internet und seinen Möglichkeiten aufgewachsen sind, werden auch den Glücksspielmarkt verändern. Schneller, unkomplizierter Zugang von jedem Ort und zu jeder Zeit aus, stellt dabei den größten Vorteil der neuen Form an Konsum von Glücksspielen dar.

Der Kahlschlag bei den Spielotheken wird zu Leerstand führen

Verschiedene Studien, die sich bereits zuvor mit den Konsequenzen des Kahlschlags bei den Spielotheken beschäftigt haben, kommen auf Zahlen zwischen 58 und 68 Prozent bei den zu erwartenden Schließungen. Selbst wenn hier davon ausgegangen werden kann, dass durch Härtefallregeln einige Etablissements weiterhin betrieben werden dürfen, so wird es am Ende wohl das Aus für fast die Hälfte aller Spielhallen in Deutschland bedeuten. Denn nicht nur die Abstandsregeln setzen den Spielhallen zu, auch das Verbot der Mehrfachkonzessionen bedeutet einen gravierenden Einschnitt. Mit dem neuen Gesetz ist es nicht mehr erlaubt, mehrere Spielotheken innerhalb eines Gebäudes zu betreiben. Betroffen sind davon 43 Prozent der Standorte, die 2-fach, 3-fach und 4-fach Konzessionen halten. Dies bedeutet nicht nur den Wegfall von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen, sondern auch den Verlust von bis zu 4.500 Mietern für die Immobilienwirtschaft. Erschwerend kommt noch hinzu, dass nur die wenigsten Spielotheken, hier vor allem der großen Betreiber, in gut vermietbaren Gegenden stehen. Nicht selten wurden gerade dort in der Vergangenheit Spielstätten eröffnet, wo sich bereits zuvor großer Leerstand befunden hat. Hier wird es schwer für die Vermieter werden, neue Geschäfte und Gewerbe in die vorhandenen Häuser oder Anlagen zu locken. Diese massive Entwicklung wird sich auch auf die Immobilienpreise in bestimmten Regionen auswirken und zu einem Preisverfall bei den Mieten führen. Dadurch ergibt sich volkswirtschaftlich nicht nur ein negativer Effekt allein in der Glücksspielbranche, hier vor allem bei den Spielotheken, sondern auch bei der Immobilienwirtschaft.

Durch den Wegfall tausender Mieter, werden wahrscheinlich durch verminderte Mieteinnahmen auch in der Immobilienwirtschaft Arbeitsplätze verloren gehen. Allerdings dürfte dies in einem deutlich geringeren Ausmaße geschehen als bei den Spielotheken.

Auch Online Casinos, Sportwetten im Internet und Zweitlotterien graben das Wasser ab

Zusätzlich zum gesetzlich verordneten Kahlschlag wird auch die zunehmende Verlagerung des Glücksspiels ins Internet Auswirkungen auf den Immobilienmarkt mit Spielstätten, Wettbüros und Lotto-Annahmestellen haben. Während der regulierte Markt gerade einmal mit einem Wachstum von 4 Prozent glänzen kann, stieg der nicht-regulierte Sektor, hier vor allem getrieben durch die Online Casinos, um ganze 30 Prozent. Die Verlagerung der Spielgewohnheiten hat sich schon die letzten Jahre mit einem deutlichen Schwund der Umsätze und Besucherzahlen in den Spielbaken manifestiert und wird wohl über alle Bereich weiter anhalten. In der Studie „Der Deutsche Glücksspielmarkt – eine volkswirtschaftliche Betrachtung“ wird dies an Hand der Daten der letzten Jahre deutlich. War lange Zeit das gute, alte Lotto, durch seine Spielerstruktur, die sich vor allem aus älteren Menschen zusammensetzt, noch relativ gegen den Einfluss gefeilt, so muss es doch ebenfalls Feder lassen. Während 2013 noch 92,9 Prozent der Tippschein von „Lotto 6 aus 49“ in terrestrischen Annahmestellen abgegeben wurden, waren es 2015 bereits nur noch 88,6 Prozent. Beim Eurojackpot sieht es sogar noch deutlich aus, hier werden nur noch 78,4 Prozent in den Annahmestellen abgegeben. Bei Sportwetten und Spielautomaten sieht es kaum anders aus, auch hier wachsen die Umsätze im Online Bereich deutlich stärker als im terrestrischen Sektor. Gerade der Umstand, dass vor allem jüngere Spieler deutlich stärker technikbegeistert sind, verschiebt hier das Glücksspiel ins Internet noch massiver als beim Lotto. Auch diese Entwicklung wird in Zukunft Auswirkungen auf den Immobiliensektor haben, da weniger Annahmestellen und Spielstätten benötigt werden.

Wie genau diese Auswirkungen ausfallen werden, lässt sich nicht seriös prognostizieren. So kann eine Liberalisierung der Online Casinos und andere zukünftige Gesetzesänderungen oder gar ein massives vorgehen gegen ausländische Betreiber, den Markt in die eine oder andere Richtung beeinflussen.

Trotz Glücksspielstaatsvertrag wird der Glücksspielmarkt für die Werbewirtschaft immer wichtiger

Der zweite wichtige Wirtschaftszweig, neben dem Immobilienmarkt, auf den die Glücksspielbranche massiven Einfluss besitzt, ist die Werbewirtschaft und dies trotz des geltenden Glücksspielstaatsvertrags. An sich sieht dieses Gesetz ein Verbot jeglicher Glücksspielwerbung vor, die nur unter ganz engen Regeln außer Kraft gesetzt werden kann. Diese Ausnahmeregeln gelten zum Beispiel nur für Lotterien, Pferde- und Sportwetten staatlich lizenzierter Anbieter. Zu den Einschränkungen gehören, dass sich die Werbung nicht an Minderjährige richten darf, Live-Wetten während einer Ausstrahlung nicht beworben werden dürfen oder unzutreffende Aussagen über Chancen auf Gewinne zu unterlassen sind. Durch den unsäglich Umstand, dass bis heute die Politik nicht in der Lage ist, den nicht-regulierten Markt zu liberalisieren und zu regulieren, müssen sich jedoch nur die Glücksspielunternehmen des regulierten Marktes an diese Regeln halten. Wie massiv dabei die Investition an Werbung in den letzten Jahren förmlich explodiert sind, zeigen zwei weitere Studien, die die Analyse des Handelsblatt Research Instituts bei seiner Betrachtung verwendet. Dabei liegt die Studie von Research Tools mit einer Entwicklung der Werbekosten von rund 100 Millionen Euro zu rund 200 Millionen Euro im Vergleich der Zeiträume 2011/12 zu 2015/16 am unteren Ende. Die Studie von Nielsen Research mit 200 Millionen Euro zu rund 400 Millionen Euro für den gleichen Zeitraum am oberen Ende. In beiden Fällen zeigt sich jedoch deutlich, dass die Gesamtinvestitionen im Bereich Werbung und Marketing im Deutschen Glücksspielmarkt allein in den letzten fünf Jahre verdoppelt haben.

Allein wenn nur die geringeren Werbekosten von 200 Millionen Euro herangezogen werden, geben alle Glücksspielanbieter in Deutschland immer noch genauso viel Geld aus, wie vergleichsweise die gesamte Getränkeindustrie.

Werbekosten staatlicher Anbieter steigen trotz Kampf gegen Spielsucht um über 200 Prozent

Ein äußert interessanter Punkt in der Studie „Der Deutsche Glücksspielmarkt – eine volkswirtschaftliche Betrachtung“ zeigt am Beispiel Lotto auf, wie vorgeschoben der immer wieder angebrachte Punkt der Politik in Sachen Bekämpfung der Glücksspielsucht ist. Immer wieder werden Maßnahmen gegen private Betreiber von Sportwetten, Online Casinos und Zweitlotterien damit begründet, Spieler und Jugend schützen zu wollen. Hier sollte nun davon auszugehen sein, dass dadurch der regulierte Markt, der hauptsächlich vom Staat befeuert wird, kaum Werbung schaltet. Tatsächlich jedoch entfallen 52 Prozent der Investitionen in Werbung genau auf dieses Feld. Als besonderer Antreiber fungieren die Fernsehlotterieren, mit ihrer Verknüpfung zu den öffentlich-rechtlichen Medien. Insgesamt investieren die staatlichen Glücksspielanbieter 0,3 Prozent ihrer Umsätze oder besser gesagt rund 1,5 Prozent ihrer Bruttospielerträge in Werbung, um neue Zocker anzulocken. Eigentlich sollte genau dies der Glücksspielstaatsvertrag unterbinden. Neben den Fernsehlotterien wirbt auch der Lotto- und Totoblock mit 31 Millionen Euro im Jahr kräftig um neue Kundschaft und zudem stiegen hier mit 229 Prozent Marketingkosten gegenüber 2011/12 stärker als im Durchschnitt. Im Vergleich dazu stieg der Werbetat der Zweitlotterien aus dem nicht-regulierten Markt im selben Zeitraum gerade einmal um 134 Prozent. Wie dies nun zum Argument passt, private Glücksspielunternehmen verteufeln zu müssen, um den Spielschutz zu stärken, bleibt ein Rätsel.

Obwohl die Anbieter von Online Casinos, Zweitlotterien und Sportwetten im Internet, aufgrund der nicht erfolgten Regulierung, nicht an das Werbeverbot gebunden sind, macht ihr Werbetat nur 48 Prozent der Gesamtsumme aus. Gerade die staatlichen Glücksspielanbieter, die eigentlich laut Glücksspielstaatsvertrag an ein Werbeverbot mit strengen Regeln gebunden sein sollten, buhlen somit mit mehr Geld um neue Spieler. Deutlicher kann das Argument Spielerschutz nicht ad absurdum geführt werden.

Lesen Sie in unserem vierten und letzten Teil der Serie alles über das Steueraufkommen, dass der Deutsche Glücksspielmarkt für die Gesellschaft erwirtschaftet und welche Kosten auf der anderen Seite durch Spielsucht entstehen.

Quelle: http://research.handelsblatt.com/assets/uploads/Gl%C3%BCcksspiel_Studie1_010417.pdf

Der Deutsche Glücksspielmarkt Teil 1! – Online Casinos wachsen am stärksten

Der Deutsche Glücksspielmarkt Teil 2! – Ein nicht zu unterschätzender Wirtschaftszweig

Der Deutsche Glücksspielmarkt Teil 4! - Steueraufkommen gegen Kosten der Spielsucht

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Deutscher Glücksspielmarkt Teil3 – Auswirkungen auf Wirtschaftszweige
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Von Engelbert Breitner | 24. September 2018 | Kategorien: CasinoClubNews, Nachrichten, Vermischtes | Labels: |

Über den Autor: Engelbert Breitner

Engelbert Breitner
Das Online Glücksspiel ist für mich die beste Erfindung seit Pac Man. So bin ich froh darüber, dass ich mein Hobby zum Beruf machen konnte. Meine bevorzugten Casinospiele sind Roulette, Black Jack und natürlich Spielautomaten. Meine Casino Erfahrungen möchte ich hier mit vielen gleichgesinnten Usern teilen.

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