Grauzone - Glücksspiel bundesweitEr war das Gesicht der Fußball-EM im zweiten deutschen Fernsehen und erfreut sich derzeitig einer wohlverdienten Pause. Der ehemalige Fußball-Nationaltorhüter und Titan Oliver Kahn ist jedoch auch abseits des Fußballsports ein wahrer Dauerbrenner im TV. Als Werbegesicht für den Glücksspielanbieter Tipico unterstützt Kahn den größten der insgesamt 130 bundesweit aktiven Anbietern mit dem Slogan, dass das Glücksspiel des Kunden in sicheren Händen sei. So sicher ist dies jedoch nicht, denn zahlreiche Anbieter in Deutschland bewegen sich in der rechtlichen Grauzone.

Große Erfolgssparte bei Casinos

Das Sportwettengeschäft ist bei einigen Casinos ein überaus interessanter Nebenverdienst, da allein in diesem Jahr schon ein Anstieg von über 5 Milliarden Euro zu verzeichnen war. Dies dürfte das Einkommen des Welttorhüters Oliver Kahn während seiner aktiven Karriere - trotz seiner Erfolge - doch bei Weitem übersteigen. Weit mehr als 4500 örtliche Lokalitäten gibt es in den deutschen Städten, vom Bundesfinanzministerium wurden annähernd achzig wettsteuerpflichtige Anbieter gezählt. Von diesen sind auch einige im Casino-Betrieb tätig, die Sportwetten sozusagen nebenbei anbieten. Umgekehrt verhält es sich jedoch ebenso, so dass die Branche sich durchaus vermischt. Ein Erfolgsmodell also und wer könnte dies besser bewerben als Kahn, der für den sportlichen Erfolg steht wie kaum ein Zweiter in Deutschland - wenn man von dem verlorenen WM-Finale 2002 gegen Brasilien einmal absieht. Wie Kahn auch ist auch die Glücksspielbranche nicht gänzlich unumstritten, da beide zu fokussieren wissen. Da Kahn sich jedoch durch seine TV-Moderationstätigkeit in die Herzen der Deutschen zurück reden konnte, ist er als Werbebotschafter für die Glücksspielbranche wiedermals prädestiniert, denn auch in der Glücksspielbranche könnte sich demnächst eine große Änderung ankündigen.

Glücksspielgesetze sollen reformiert werden

Die Regulierung der Glücksspiele fällt in den Zuständigkeitsbereich der Bundesländer. Alle 16 Vertreter verhandeln die entsprechenden Paragraphen des Glücksspielvertrages miteinander aus und möchten nunmehr ganz gezielt die Sportwettensparte angehen. Dies indes wird zwar die wenigsten Casino-Anbieter wirklich tangieren, jedoch könnte eine Reform durchaus merkliche Auswirkungen mit sich bringen. Zwei Entwürfe sind derzeitig in der Prüfung, die sich nur marginal voneinander unterscheiden. Zwar sehen beide Entwürfe eine gänzlich unbegrenzte Anzahl von privaten Anbietern vor, jedoch wäre im zweiten Entwurf das Bundesland Hessen gänzlich außen vor. Da die Frankfurter Eintracht in der abgelaufenen Saison aus der Fußball-Bundesliga beinahe abgestiegen wäre, könnte man fast schon von einem geschlossenen Kreis bezüglich des Sports und des Glücksspiels sprechen. Mit dem zweiten Entwurf bräuchte das Bundesland Hessen jedoch eine eigene Glücksspielregelung, was für das gesamte Geschäft nicht optimal wäre.

Zahlreiche Anbieter haben gegen eine ursprüngliche Begrenzung der Konzessionen auf zwanzig pro Bundesland erfolgreich geklagt, was auch Auswirkungen auf das Abstandsgesetz im Casino-Bereich haben könnte. Sogar die EU gab in Form der Kommission den Anbietern Recht und drohte mit einem Verletzungsverfahren gegen Deutschland. Es wird erwartet, dass dieses Verfahren noch in 2016 eröffnet wird. Peter Beuth, seines Zeichens Innenministe, von der CDU macht sich für eine Liberalisierung des Glücksspiels stark und fordert eine Erlaubnis für Online-Casinos in unbegrenzter Zahl. Damit dies durchgesetzt werden kann ist geplant, ein Glücksspiel-Bafin einzuführen. Sollte dies nicht realisierbar sein droht Hessen mit dem Ausstieg als letztes politisches Druckmittel. Oliver Kahn dürfte dies indes wenig tangieren, er hat ja immerhin in seiner aktiven Laufbahn mit dem FC Bayern München oft genug gegen Fußballmannschaften aus Hessen gewonnen.