Höher, schneller, weiter! Das alte olympische Motto wurde offensichtlich in einem anderen Zusammenhang nochmal aufgegriffen. Zwei französische Designer von der Firma Jet Design in Toulouse haben die Idee weiterentwickelt, Flugzeuge mit einer Casino-Lounge auszustatten. Die Vorstellung, auf dem Weg von Paris nach New York auf die richtige Zahl beim Roulette zu setzen, lässt sicherlich nicht nur Spieler-Herzen höher schlagen. Gelangweilte Passagiere, denen die Gaming Welt ansonsten egal ist, könnten ebenso dazu verführt werden, über den Wolken ihr Glück am Spieltisch oder am Automaten zu versuchen. So ganz neu ist diese Idee nicht, allerdings haperte es bisher an der Umsetzung. Mit einem neuen Konzept und verrückten Design-Ideen wollen Frederique Houssard und Jean Pierre Alfano diese Marktlücke jetzt schließen. Als Inspiration dienten die guten alten Bond-Kinofilme der 1960er Jahre, in denen sich elegant gekleidete Menschen vorzugsweise an den Roulette-Tischen mondäner Spielcasinos trafen. Houssard und Alfano glauben fest daran, dass Casinos in Flugzeugen auf bestimmten Routen bald zum Standard gehören könnten. 

Singapore Airlines war ein Pionier der ersten Stunde

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Vor 50 Jahren hob sich erstmals eine Boeing 747 in die Luft. Schnell wurde die «Königin der Lüfte» dann zum dominierenden Passagierflugzeug der Welt. Auch bei Lufthansa veränderte der Jumbo das Geschäft radikal. Foto: Boris Roessler

Wer jetzt glaubt, dass der Gedanke, Flugzeuge mit Spielautomaten und –tischen auszustatten, vollkommen neu und innovativ, vielleicht sogar revolutionär ist, der irrt gewaltig. Es hat bereits Experimente in diesem Bereich gegeben, allerdings nur sehr wenige. Beispielsweise hatte Singapore Airlines, eine der renommiertesten Fluggesellschaften der Welt, schon im Jahre 1981 das erste Spielcasino an Bord eines Jumbos im Angebot. Hierbei handelte es sich nicht um ein Casino á la Bond, sondern vielmehr um einen Bereich mit Spielautomaten, die ein sehr geringes Gewicht aufwiesen. Über einen Zeitraum von zwei Monaten hatten Fluggäste, die die Strecke von Singapur nach San Francisco, beziehungsweise von San Francisco nach Singapur flogen, die Möglichkeit, an den damals sehr modernen Slots zu zocken. Leider wurde dieses Experiment nicht fortgeführt. Die Fluggesellschaft stellte den Casinobetrieb nach nur acht Wochen wieder ein, da er eine „zu große Herausforderung für den Service-Betrieb an Bord“ darstellte.

Der gleichen Idee folgte in den 1990er Jahren die schweizerische Fluggesellschaft Swiss Air, lediglich die Umsetzung war eine andere. Swiss Air hatte auf den Monitoren, die ihren Fluggästen zur Verfügung standen, eine spezielle Software für Spiele installieren lassen. Dadurch wurde es möglich, Einsätze bis zu 350,- US-Dollar zu tätigen und während eines Fluges Casino-Klassiker wie Poker oder Black Jack zu spielen. Anfänglich ging man davon aus, dass dieses Beispiel Schule machen und von anderen Fluggesellschaften übernommen werden würde. Ein tragisches Ereignis stand diesen Plänen jedoch im Wege. Nachdem 1998 eine Swiss Air Maschine abstürzte, vermuteten Experten, die die Absturz-Ursache untersuchten, dass das Unglück auf die Unterhaltungselektronik zurückzuführen war, die sich damals an Bord befand. Die gesamte Luftfahrtindustrie stand unter Schock und war fürs Erste nicht mehr bereit, in Gaming Entertainment für ihre Flugzeuge zu investieren.

Casino im Flugzeug ? Frühere Pläne nicht weiter verfolgt

Anfang des neuen Jahrtausends wurde die Flugzeug-Casino-Idee nochmal neu aufgerollt. 2005 verkündete Richard Branson von der Fluggesellschaft Virgin Atlantic Airways, dass er seine A380er Maschinen, die bereits über eine stattliche Anzahl an Doppelbetten verfügten, mit Casinos ausstatten wollte. Seine Pläne klangen zunächst sehr realistisch, doch einige Jahre später ließ ein Unternehmenssprecher verlauten, dass es sich „... bei dieser Casino-Idee nur um eine von vielen denkbaren Ideen gehandelt hat.“ Das Thema griffen aber auch noch andere Luftfahrtgesellschaften auf. So hatte das irische Unternehmen Ryan Air bereits 2004 angekündigt, dass sie ihren Bord-Service um Online Glücksspielangebote bereichern wollten. Allerdings wurden auch diese Pläne nicht weiterverfolgt. Der Grund hierfür lag damals an der dafür notwendigen Internetverbindung und an den Investitionen, die hierfür nötig gewesen wären. Beides hätte zu hohe Kosten verursacht und damit den Flugpreis in die Höhe getrieben. 

Große Herausforderung für Fluggesellschaften

Heutzutage ist es bereits bei zahlreichen Fluglinien möglich WLAN an Bord zu nutzen. Damit können Fluggäste auch im Flieger in den von ihnen bevorzugten Online Casinos zocken. Ein reales Bord-Casino wäre somit unnötig. Frederique Houssard und Jean Pierre Alfano vertreten da eine ganz andere Ansicht. In ihren Augen soll es sich bei diesen Casinos um einen Platz für Begegnungen handeln. Dort können sich Passagiere treffen, untereinander austauschen und vielleicht sogar gemeinsam spielen. Dieser Ort für Gespräche während eines langen Fluges soll als zusätzliches Service-Angebot zum Catering verstanden werden. Der Knackpunkt an der Einrichtung solcher Casinos ist, dass sie einfach zu viel Platz benötigen. Und diesen Platz wollen die meisten Fluggesellschaften nicht hergeben. Schließlich soll jede freie Fläche mit Sitzplätzen ausgestattet werden, die zusätzliche Einnahmen generieren. Laut Alfano und Houssard steht das Platzangebot eines Flugzeugs ihrem Designkonzept nicht im Weg. Gerade in den großen Maschinen gibt es im unteren Teil bei den Ladezonen sehr großzügige Ruhebereiche und Waschräume für das Personal. Sofern von diesen Bereichen etwas abgetrennt würde, gäbe es genügend zusätzlichen Raum für die Passagiere, um sich zu treffen, sagen die beiden Designer. In diesem Fall wären keine Einbußen bei den Einnahmen zu befürchten. 

Aber der Platzbedarf ist nicht die einzige Herausforderung, der sich die Fluggesellschaften im Falle eines Bord-Casinos stellen müssten, sondern die Gesetze. Beispielsweise ist im Luftraum der Vereinigten Staaten Glücksspiel generell verboten - und das schon seit 1994. Auch die Rechtslage der legalen Online Casinos 2020 in den Lufträumen anderer Staaten müsste zuvor geprüft werden, bevor die Einrichtung von Flugzeug-Casinos sinnvoll ist. So lange muss der Traum vom Casino über den Wolken wohl noch weiter geträumt werden.