Das Casino in der italienischen Exklave Campione d’Italia in der Südschweiz ist pleite. Für die Bewohner des Dorfes ist das eine Katastrophe, denn die wirtschaftliche Existenz der gesamten Gemeinde basierte auf dem Erfolg der Spielbank. Durch die Casino-Pleite sind 800 der 1955 Einwohner von Campione arbeitslos.

Campione CasinoCasino fast drei Jahrzehnte einziger Arbeitgeber in Campione

Als der Tessiner Stararchitekt Mario Botta im Jahr 1990 seinen Entwurf für ein 190 Millionen Franken teures Casino vorlegte, stimmte die Gemeinde gerne zu. Zu dieser Zeit war Campione in einer besonders günstigen Lage. In der Schweiz gab es keine Spielbanken und in Italien waren Spielautomaten in Gaststätten verboten. In der Exklave Campione war es jedoch möglich, eine Spielbank zu eröffnen, sodass eine echte Attraktion für schweizerische Glücksspiel-Fans entstand. Allerdings kippte die Schweiz in den folgenden Jahren das Spielbanken-Verbot und auch Italien ließ irgendwann die Spielautomaten in Gaststätten zu. Damit waren zwei wichtige Bausteine des Geschäftsmodells zumindest leicht ins Wanken geraten. Trotzdem war das Casino in Campione viele Jahre lang ein lukratives Geschäft für die Gemeinde.

Viele Jahre lang überwies das Casino im 10-Tage-Rhythmus durchschnittlich 700.000 Franken an die Gemeinde, die nicht mehr als ein großes Dorf ist. Zudem arbeiteten über die letzten Jahrzehnte viele Menschen aus Campione in der Spielbank. Für die meisten Dorfbewohner war die Spielbank der einzige verfügbare Arbeitgeber. Wer einen anderen Job haben wollte, musste größere Strecken auf sich nehmen oder umziehen. Das war jedoch nicht nötig, solange die Spielbank ordentliche Gewinne abwarf und entsprechend gut bezahlen konnte. Der wirtschaftliche Erfolg des Casinos sorgte zudem für einen üppigen öffentlichen Haushalt, sodass die Gemeinde bis zuletzt in einem exzellenten Zustand war. Selbst für schweizerische Verhältnisse verfügte Campione viele Jahre über ausgezeichnete finanzielle Möglichkeiten.

Pleite stürzt Gemeinde Campione in Chaos

Schon länger gab es Probleme mit der Spielbank in Campione. Doch erst Mitte 2018 kam der große Schock. Die Casino-Mitarbeiter erhielten ihren letzten Lohn und wurden anschließend entlassen. Anschließend meldete das Casino Insolvenz an. Der Schuldenberg liegt bei 175 Millionen Franken. Besonders fatal ist dabei, dass die Gemeinde ebenfalls Schulden angehäuft hat in Höhe von 140 Millionen Franken. Unmittelbare Folgen sind, dass öffentliche Einrichtungen wie das Altersheim und der Kindergarten geschlossen werden mussten. Auch die Schule steht kurz vor dem Aus. Die Angestellten der Gemeinde müssen aktuell auf Lohn verzichten, da kein Geld mehr vorhanden ist. Derzeit läuft das Konkursverfahren und es ist nicht absehbar, ob die Situation in naher Zukunft besser wird. Besser bedeutet in diesem Fall: Das Casino kann neu eröffnet werden.

Es gibt viele Gründe, warum das Casino in Campione in finanzielle Schwierigkeiten geraten ist. Beispielsweise hat der ungünstige Frankenkurs viel dazu beigetragen, dass die Einnahmen in den letzten Jahren deutlich gesunken sind. Zudem machen viele Beobachter die Casino-Leitung für die Entwicklung verantwortlich. Es habe eine umfangreiche Misswirtschaft gegeben, die letztlich dazu geführt habe, dass die Casino-Insolvenz nicht mehr aufzuhalten gewesen sei. Auch die Gemeindeleitung muss sich Vorwürfe gefallen lassen. Doch die Situation ist komplett verfahren, denn aktuell läuft ein Konkursverfahren und es gibt keine Hoffnung, dass das Casino in naher Zukunft wieder Einnahmen bringen könnte.

Regeln für Konkursverfahren machen Situation noch schwieriger

Der Konkurs des Casinos in Campione wird nach italienischen Vorschriften abgewickelt. Das bedeutet unter anderem, dass die Gemeinde ein Verbot hat, das Casino ganz oder teilweise zu besitzen in den nächsten fünf Jahren. Genau das war aber immer die Grundlage für den wirtschaftlichen Erfolg der Gemeinde. Eine Möglichkeit könnte darin bestehen, dass das Innenministerium oder die Provinzregierung in Como einspringen, bis die Gemeinde das Casino wieder selbst übernehmen kann. Zudem wird auch diskutiert, ob es nicht eventuell private Investoren geben könnte, die das Casino übernehmen, um zumindest die Arbeitsplätze zu retten. Doch in jedem Fall wird es noch eine Weile dauern, bis absehbar ist, welche Lösung überhaupt realistisch ist.

Viele Experten bezweifeln, dass es überhaupt möglich ist, in Campione in Zukunft ein Spielcasino wirtschaftlich sinnvoll zu betreiben. Die Situation ist komplett anders als in den 1990er Jahren. Mittlerweile verzeichnen viele Spielcasinos in Europa sinkende Einnahmen, da die Online-Konkurrenz durch potente Anbieter wie das Party Casino wächst. Dieser Trend wird sich kaum aufhalten lassen. Selbst wenn das Casino noch einmal öffnen würde, müsste die Gemeinde vermutlich mit deutlich niedrigeren Gewinnen als früher leben. Für die Bewohner des Dorfes ist die Situation insgesamt dramatisch. Vor allem von schweizerischer Seite gibt es allerdings praktische Nothilfe, zum Beispiel durch die Lieferung von kostenlosen Lebensmitteln. Aber wenn das Casino nicht schnell wiedereröffnet, werden viele Bewohner des Dorfes wahrscheinlich wegziehen müssen, um ihr Glück anderswo zu versuchen.