Ein Vorhaben ohne Plan, ist wie ein Schiff ohne Steuer, hat meine Oma immer gesagt. Dieses Sprichwort kennt man offensichtlich auch in Liechtenstein. Jedenfalls haben kürzlich Johannes Hasler und Reinhard Fischer die konkreten Pläne für das neue Casino in Bendern vorgestellt und die offenen Fragen einiger Medienvertreter beantwortet. Hasler ist der Gemeinde-Vorsteher von Gamprin – einem Ort im Liechtensteiner Unterland, der gemeinsam mit dem Örtchen Bendern eine Doppelgemeinde bildet. Reinhard Fischer zeichnet als Geschäftsführer von der Grand Casino Liechtenstein AG verantwortlich.

Casino | Perfektes Dienstleistungsangebot

Bendern Casino LiechtensteinDie ehemalige Privatklinik im alten Medicnova-Gebäude in Bendern hat schon vor einiger Zeit ihre Pforten geschlossen. Nun soll das Haus vollkommen neu genutzt werden, was die Gemeinde Gamprin sehr gern sieht. Kein Wunder! Denn wenn man keinen neuen Mieter gefunden hätte, dann hätte die Gemeinde das Gebäude selbst übernehmen müssen. Das sieht nämlich der Baurechtsvertrag mit der Selemad Immobilien AG vor. Damit wären, laut Vorsteher Johannes Hasler, zusätzliche Kosten in Höhe von geschätzt 25 Millionen Franken auf die kleine Liechtensteiner Doppelgemeinde zugekommen.

„Ich bin froh, dass das imposante Gebäude, nach mehr als einem Jahr Leerstand, einer neuen Nutzung zugeführt werden konnte“, erklärt Hasler und beantwortet Fragen nach einer „zukünftigen medizinischen Nutzung“ damit, dass es offensichtlich war, dass dies aus unterschiedlichen Gründen nicht möglich gewesen ist. Das in Planung befindliche Projekt der Grand Casino Liechtenstein AG wird neben dem Betrieb einer Spielbank auch ein Hotel, ein Restaurant sowie Büro- und Verwaltungsräume beinhalten. Darüber hinaus werden „großzügige und moderne Event- und Veranstaltungsflächen“ entstehen, die vorrangig von Vereinen, Privatpersonen und ortsansässigen Unternehmen genutzt werden können. Damit sei auch die „Zonenkonformität“ gegeben, erläutert der Gemeinde-Vorsteher und fügt hinzu, dass ein solches Dienstleistungsangebot in dieser Industriezone sehr gut aufgehoben ist, denn „... das Gebiet ist konfliktarm“.

Erstes großes Pokerturnier im September 2020

Ein ganz besonderes, zusätzliches Highlight hat sich die Grand Casino Liechtenstein AG für diesen Standort ausgedacht. In Bendern soll der Fokus auf Poker liegen. Und zwar im ganz großen Stil. Der Betreiber plant dort große Pokerturniere auszurichten, die so bedeutenden Events wie der European Poker Tour oder der World Poker Tour in nichts nachstehen. Reinhard Fischer, der Geschäftsführer des Unternehmens, spricht von einem „Poker-Hotspot“, der keine internationalen Vergleiche scheuen wird. Das alte Klinik-Gebäude sei perfekt für das geplante Projekt. Sofern alle Termine eingehalten werden können, dann kann im oberen Stockwerk schon Ende September des kommenden Jahres ein erstes Pokerturnier veranstaltet werden. 50 Tische sollen dafür zur Verfügung stehen. Allerdings sind die Verträge für ein derartiges Turnier bislang noch nicht reif zur Unterschrift, gibt er zu bedenken. Andererseits räumt er ein, dass die Grand Casino Liechtenstein AG bereits eine Reihe von Anfragen hierzu erhalten habe. Bei der für die Jahreswende geplanten Eröffnung sollen erstmal nur sechs Pokertische bereitstehen. Der Bereich wird dann in den darauffolgenden Monaten weiter ausgebaut und speziell gefördert.

Events, wie so große Pokerturniere, dauern normalerweise zwischen 10 und 15 Tagen. Dies sei auch einer der Hauptgründe für den angeschlossenen Hotel- und Restaurantbetrieb. Derartige Wettbewerbe ziehen ein internationales Publikum an, und den Pokerfreunden aus aller Welt müsse man ja schließlich auch etwas bieten, fügt Reinhard Fischer hinzu und freut sich über das Alleinstellungsmerkmal. Schließlich gibt es nicht sehr viele Casinos, die auch Poker anbieten und selbst wenn, dann nicht in diesen Dimensionen. Von einer Kooperation mit albanischen Pokerspielern will er nichts wissen. „Wir werden nicht aktiv Spieler einfliegen“, sagt er deutlich und gibt zu verstehen, dass natürlich grundsätzlich jeder teilnehmen kann, der das Spiel beherrscht. 

Wirtschaftliches Wachstum für gesamte Region erwartet

Aktuell wird die gesamte Klinikeinrichtung ausgebaut und entsorgt. Und wenn alles nach Plan läuft, rechnet Fischer damit, dass das Casino noch vor Weihnachten 2019 feierlich eingeweiht und eröffnet werden kann. Details zum Setup gibt der Geschäftsführer der Grand Casino Liechtenstein AG nicht bekannt. Momentan laufen schon Gespräche mit den Bewerbern für die insgesamt 110 Arbeitsplätze, die in der Spielbank geschaffen werden. Die Rekrutierung sei aber schon mehr oder weniger abgeschlossen, sagt Fischer. Sehr viele Bürger des Fürstentums Liechtenstein werden eingestellt, betont er, weist aber daraufhin, dass man auch die ein oder andere Fachkraft aus dem europäischen Ausland beschäftigen wird. Er ist sicher, dass alle Casinos in Liechtenstein ihren Marktanteil nutzen werden, und dass das Komplettangebot der Grand Casino Liechtenstein AG eine neue, breite Klientel ins Fürstentum ziehen wird. Durch das erst im Mai 2019 gegründete Unternehmen wächst der Konkurrenzdruck für Novomatic und Casinos Austria zunehmend, aber ob der noch junge Konzern zukünftig auch in Online Casinos investieren wird, bleibt abzuwarten.

Derzeit sieht es so aus, als wenn der Widerstand gegen den Casinobau in Bendern abgeebbt ist. Und sollte es der Spielbank-Leitung tatsächlich gelingen, ein großes renommiertes Pokerturnier im Fürstentum zu etablieren, dann wird der Zwergstaat in vielerlei Hinsicht davon profitieren. Angefangen bei den nahe liegenden Bars, Hotels und Restaurants bis hin zu allen möglichen touristischen Einrichtungen. Auch Zulieferer sowie Dritt- und Viert-Dienstleister würden höhere Auftragszahlen erzielen und die ganze Wirtschaft im Umland ein finanzielles Wachstum erfahren.