Wer denkt sich denn sowas aus? Einen Wettbewerb für Croupiers? Natürlich die Schweizer! Gerade erst haben sich wieder die besten Croupiers der deutschsprachigen Schweiz im Grand Casino Luzern getroffen, um sich zu messen. Aber ihr Beruf hat in den vergangenen Jahren an Attraktivität verloren, da die ausgeschriebenen Stellen immer weniger werden. Aufgrund des neuen Geldspielgesetzes präsentieren inzwischen immer mehr Spielbanken des Alpenstaats ihre Angebote auch im Internet. Das heißt: die fortschreitende Digitalisierung macht auch vor den Berufen in der Glücksspiel-Branche nicht halt. Der Druck, unter dem die Kassiererinnen und Kassierer in Supermärkten und Discountern stehen, ist mittlerweile auch bei den Croupiers der großen Casinos angelangt. 

Sorge um Casino Jobs berechtigt?

Casino CroupierAn einem Dienstag im September versammelte sich die absolute Elite der Deutschschweizer Croupiers an den samtbesetzten Spieltischen des Grand Casino Luzern, um bei der Deutschschweizer Dealer-Meisterschaft unter Beweis zu stellen, wer denn nun der Beste von ihnen ist. Es ging dabei auch um die Frage, was einen Dealer (Croupier) eigentlich ausmacht. „Es braucht auf jeden Fall eine gute Fingerfertigkeit, im Kopfrechnen sollte man nicht schlecht sein und der Gästeservice darf nicht zu kurz kommen», ist die Meinung von Croupier Christoph Boo, der bei den Swiss Casinos in Zürich angestellt ist. Dies gilt natürlich nur für reale Spielbanken und nicht für die zahlreichen Online Casinos im Netz. Nun verstärken auch noch die traditionellen inländischen Casinos ihr Internetangebot, seitdem das neue Geldspielgesetz zum Tragen gekommen ist. Die zahlreichen Anbieter aus dem Ausland räumen nach und nach das Feld, da in der Schweiz nun ausschließlich lizenzierte Online Casinos erlaubt sind. Die Bedenken der Croupiers und deren Sorge um ihre Jobs sind demnach berechtigt. 

Mit dem Sieg für EM 2020 qualifiziert

Das Glücksspiel-Geschäft im Netz funktioniert ganz anders, als das der realen Spielbanken. Im Internet sind klassische Croupiers mehr oder weniger entbehrlich. Wolfgang Bliem, der Geschäftsführer des Grand Casino Luzern, wischt die Bedenken der Croupiers allerdings beiseite: „Ich denke es hat Platz für beides. Es gibt Gäste, die vielleicht lieber etwas einsamer vor dem Mobiltelefon spielen und solche, die die soziale Interaktion im Casino nicht missen wollen.“

Auch wenn Wolfgang Bliem sich alle Mühe gibt Zuversicht auszustrahlen, so sind doch gewisse Ängste bei den Dealern zu spüren. Dominikus Briller, ebenfalls Angestellter der Swiss Casinos Zürich sieht das Ganze so: „Wir sind wahrscheinlich die letzte Generation, welche diesen Beruf in dieser Form ausübt. Später wird wohl vieles online ablaufen oder mit Computern funktionieren.“ Letztendlich wollte aber niemand der Miesepeter an diesem Abend sein und die Stimmung bei den Deutschschweizer Dealer-Meisterschaften verderben. Schließlich ging es dort um starke Nerven, Konzentration, Fingerfertigkeit und mathematisches Geschick. Dem Sieger des Luzerner Wettkampfs winkt immerhin die Qualifikation für die Europameisterschaft im kommenden Jahr. Und außerdem: wer hat schon in seinem Beruf die Möglichkeit an richtigen Wettbewerben, mit etwas Glück sogar an der Europameisterschaft teilzunehmen. Das ist ja in der Regel nur den Leistungssportlern vorbehalten. 

Seinen Titel „Schweizer Dealer Casino Champion“ durfte in diesem Jahr Dan Erbert vom Grand Casino Luzern verteidigen. „Unser Croupier Dan Erbert gewann vor einem Jahr die Dealer-Meisterschaft. Dank seinem Sieg wird diese für die Casino-Branche wichtige Meisterschaft erstmals in Luzern stattfinden“, freute sich der Luzerner Geschäftsführer Wolfgang Bliem: „Wir hoffen, dass Dan Erbert bei diesem Heimspiel seinen Titel verteidigen kann.“ Doch nicht nur die Titelverteidigung ist bei diesem Wettbewerb erstrebenswert, sondern auch die Hälfte des Preispools und das Heimrecht für die kommende Croupier-Meisterschaft.

Entertainment überzeugt bei Roulette

Das obligatorische „Rien ne vas plus!“ erklang diesmal nicht für die Spieler, sondern für die Jury, die die besten Deutschschweizer Croupiers bewerten musste. Auf dem Roulette-Tisch liegen die Jetons. Auf fast jede Zahl wurde gesetzt. Dann rollt die Kugel und bleibt auf der 23 hängen. Der amtierende Champion Dan Erbert überlegt einen Moment, dann schiebt er einen Stapel Jetons zu der Person, die auf die 23 gesetzt hatte. Der Spieler war nicht der einzige Gewinner dieser Runde, auch zwei andere haben durch das Setzen auf Ungerade und auf Rot einen kleinen Betrag gewonnen. Was dem Laien nicht auf Anhieb einleuchtet, wissen Croupier und Spieler direkt: nämlich wer wieviel gewinnt. Oder aber auch verliert. Zuvor gab es schon eine Art Warm-Up für die Dealer. An einem Tisch legten sie für sich selbst Black-Jack-Karten und balancierten Jetons zu Türmchen. „Der Event hat großen Prestige-Charakter,“ weiß CEO Bliem. „Der Beruf ist sehr anspruchsvoll. Es nehmen nicht viele teil, aber heute sind die Besten hier. Wer gewinnt, ist in seinem Metier gut,“ fügte er hinzu.

„Man hat eine Viertelstunde, um die Jury zu überzeugen. In dieser Zeit muss man eine perfekte Vorstellung abliefern, sonst ist es vorbei. Es wird schwer,“ sagte der gebürtige Slowake Dan Erbert. Schließlich gelang es ihm nicht, seinen Titel zu verteidigen. Er wurde Fünfter. Ein weiterer Dealer des Grand Casino Luzern, Vladislav Nikolov, nahm ohne jede Erwartung am Wettbewerb teil. Er feierte an diesem Tag seinen 39. Geburtstag und erreichte Platz 9. Der „Schweizer Dealer Casino Champion“ 2019 heißt in diesem Jahr Christoph Boo. Er arbeitet im Swiss Casino Zürich und überzeugte neben seinen exzellenten Spielkenntnissen auch als Unterhalter, betonte Juror Laszlo Meszaros. Vor jedem Spiel sprach er zu den Gästen: „Ich wünsche viel Glück, viel Spaß! Los geht’s!“