Vor der großen Wirtschaftskammer in Hagen mit dem Vorsitzenden Richter Andreas Behrens hat die Verteidigung der drei Angeklagten schwere Vorwürfe erhoben: Illegal soll ein sogenannter verdeckter Ermittler beauftragt worden und auch tätig gewesen sein. Es bleibt zu hoffen, dass das große Medieninteresse an diesem Prozess nicht eine komplette Branche in Verruf bringt – weder die seriösen Spielhallenbetreiber, noch die seriösen Online Casinos.

MercedesAntrag auf Verfahrenseinstellung zurückgezogen

Der Spielhallen-Prozess vor dem Landgericht in Hagen geht in die nächste Runde. Im Vorfeld des Verfahrens hatte der renommierte Kölner Strafverteidiger Prof. Dr. Ulrich Sommer, der sich als Spezialist für Konfliktverteidigungen einen großen Namen gemacht hat, Vorwürfe gegen einen Hagener Ermittler erhoben. Für die in den Medien effektvoll in Szene gesetzten Anschuldigungen musste sich Dr. Sommer bereits scharfe Kritik anhören. Jetzt flogen ihm diese Vorwürfe auch vor Gericht quasi „um die Ohren“. Besser gesagt: nicht ihm, sondern seinen Anwaltskollegen, denen nichts anderes übrigblieb, als seinen „Antrag auf Verfahrenseinstellung“ zurückzuziehen. Prof. Dr. Sommer war selbst nicht anwesend.

Zeuge von Vorwurf befreit

 Bevor es dazu kam, war der Hagener Kriminaloberkommissar als Zeuge geladen und musste sich mehr als zwei Stunden lang den erbarmungslosen Fragen des Vorsitzenden Richters stellen sowie den provokanten Fragen des Verteidiger-Teams. Der von der Verteidigung vorab als illegal eingesetzter verdeckter Ermittler bezeichnete Beamte war geschockt, als er im Januar dieses Jahres erfahren musste, dass seine Ehefrau in gewisser Weise zum Spielhallen-Clan gehörte. Sie soll „die Freundin“ des ebenfalls unter Anklage stehenden Bruders des Hauptangeklagten gewesen sein. Strafverteidiger Dr. Sommer argumentierte damals: „Angesichts dieser persönlichen Konstellation ist dieser Ermittler schlicht befangen“. Er habe „emotionale Vorbehalte gegen die Familie“, fügte Sommer noch hinzu.

„Was vor unserer Ehe war interessiert mich nicht“

„Davon war mir vor dem Zeitungsbericht nichts bekannt,“ erklärt der Hagener Kriminalbeamte glaubhaft. Er hätte aber sogleich noch von der Dienststelle aus mit seiner Frau telefoniert und erfahren: „Sie hatte sich zweimal mit dem Bruder getroffen. Einmal im Café Bar Celona, einmal im Kino. Damals war sie 17. Die Sache ist Jahre her. Und was vor unserer Ehe war, interessiert mich nicht.“ Der Kriminaloberkommissar gehörte zur „Ermittlungskommission Cash“. Seit April war er im Rahmen seiner Tätigkeit beim Kriminalkommissariat 22 (organisierte Kriminalität) dort eingesetzt worden. Die Kommission sollte die mutmaßlich kriminellen Vorgänge rund um den Spielhallen-Clan aufdecken. Dass es sich dabei um einen Steuerschaden in Höhe von exakt 48,4 Millionen Euro handelte, wusste zu Beginn der Ermittlungen noch niemand. Ganz nach Vorschrift hatte der Polizeibeamte seinen Vorgesetzten und Ermittlungsführer (58) darüber informiert, dass ihm ein Schwager sowie zwei Schwestern der Spielhallen-Familie bekannt sind: „... noch aus der Schulzeit. Außerdem habe ich mit ihm zusammen Fußball gespielt.“ Darüber hinaus gab er zu Protokoll, dass man sich zufällig im Urlaub getroffen habe und ganz früher sei man auch einmal gemeinsam verreist. „Da wusste ich aber noch nicht, dass ich irgendwann mal in dieser Ermittlungskommission sein würde.“

Die Verteidigung war noch an weiteren Einzelheiten aus dem Privatleben des Zeugen interessiert, doch der Vorsitzende Richter und auch die Kammer ließen diese Fragen nicht mehr zu. „Ich stimme der Auffassung des Gerichts zu. Ich möchte nicht, dass es hier in die Privatsphäre des Zeugen geht.“ Mit diesen Worten meldete sich schließlich auch das angeklagte Familienoberhaupt (43) persönlich zu Wort.