Die größten britischen Buchmacher haben sich gemeinsam dazu entschieden, in Zukunft freiwillig 1 Prozent des Gewinns in die Hilfe für Problemspieler zu investieren. Bislang wurden nur 0,1 Prozent des Gewinns freiwillig gespendet. Das ist ein großer Schritt, mit dem die großen Player verhindern möchten, dass neue Steuern oder Abgaben erfunden werden.

Bet at home leute gratulierenAlle großen britischen Buchmacher beteiligt

Bet365, Coral Ladbrokes, Skybet, Paddy Power Betfair und William Hill haben sich darauf geeinigt, die Unterstützung von Maßnahmen gegen Spielsucht und andere Glücksspielprobleme massiv zu erhöhen. Die Steigerung von 0,1 auf 1 Prozent ist ein massiver Schritt. Die freiwillige Verpflichtung gilt zunächst für fünf Jahre. Es lässt sich relativ gut prognostizieren, wie viel Geld in Zukunft für die Bekämpfung von Glücksspielproblemen zur Verfügung stehen wird. Im Jahr 2018 wurden über die freiwillige Abgabe etwa 12 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Steigerung wird dazu führen, dass der Betrag auf etwa 120 Millionen Euro im Jahr wachsen wird. Das ist eine bemerkenswerte Summe, mit der es möglich sein wird, viele verschiedene Organisationen zu unterstützen.

Die großen Sportwettenanbieter handeln vielleicht nicht ganz so freiwillig, wie dies in den aktuellen Pressemitteilungen verkündet wird. Die UK Gambling Commission hat vor kurzem bekannt gegeben, dass ein Finanzbedarf von etwa 75 Millionen Euro vorhanden sei für die Bekämpfung von Glücksspielproblemen. Zugleich ließ die Kommission durchblicken, dass erwartet würde, dass die Branche die Kosten selbst übernimmt. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass relativ schnell neue Gesetze und Regeln entstehen, wenn die Branche nicht reagiert. In jedem Fall ist es positiv für den britischen Glücksspielmarkt, dass es künftig eine sehr gute Finanzierung für Organisationen gibt, die Glücksspielprobleme aktiv bekämpfen. Letztlich profitieren davon alle Casino Buchmacher und Casino-Betreiber, denn die Problemspieler sorgen für schlechte Presse und ein Imageproblem.

Buchmacher machen nicht nur finanzielle Zusagen

Die großzügige finanzielle Zusage ist der wichtigste Teil der aktuellen Aktionen der größten Buchmacher in Großbritannien. Nicht übersehen werden sollte, dass sich alle beteiligten Firmen dazu bereit erklärt haben, ihre Werbestrategien unter die Lupe zu nehmen. Insbesondere soll in Zukunft sichergestellt werden, dass kein falscher „Ton“ in der Werbung vorhanden ist. Zuletzt waren einige Werbespots von britischen Buchmachern von Experten scharf kritisiert worden. Um einer noch strengeren Regulierung zuvorzukommen, versuchen die großen Anbieter nun, durch eine Selbstregulierung dafür zu sorgen, dass die Werbung nicht mehr angreifbar ist. Das ist längst überfällig und in jeder Hinsicht begrüßenswert. Die obersten Ziele müssen dabei der Jugendschutz und der Spielerschutz insgesamt sein. Wenn die Branche langfristig erfolgreich sein möchte, ist es wichtig, grundlegende Prinzipien beim Geschäftsmodell und der Werbung zu beachten.

Regierung erkennt Bemühungen der großen Buchmacher an

Jeremy Wright, der Staatssekretär des Ministeriums für Digitales, Kultur, Medien und Sport, äußerte sich positiv zu den aktuellen Bemühungen der Top-Buchmacher. Zudem wurde deutlich, dass die Regierung schon seit einer Weile mit der Glücksspielbranche in einem regen Austausch steht. Das gemeinsame Ziel sei es, diejenigen Menschen zu schützen, die ein Problem mit Glücksspiel haben. Zudem soll die Branche insgesamt auf ein höheres Niveau gehoben werden. Die UK Gambling Commission hat in den letzten Jahren viel dazu beigetragen, dass Online-Sportwetten und Online-Glücksspiel einen positiven Pfad beschritten haben. Aber im Detail gibt es nach wie vor noch viel Raum für Verbesserungen. Die aktuelle Bereitschaft der großen Buchmacher, einen erheblichen Teil des Gewinns zu spenden, zeigt, dass die Branche insgesamt begriffen hat, worauf es in den nächsten Jahren ankommen wird.

Auch Deutschland könnte ähnliche Regelungen schaffen

Überall wo Glücksspiele angeboten werden, gibt es auch einen kleinen Prozentsatz an Spielern, die Probleme bekommen. Das ist in landbasierten Spielhallen und Spielbanken nicht anders als in Online Casinos und bei Online-Buchmachern. Die entscheidende Frage ist: Wie reagiert der Staat auf diese Problematik? In Deutschland wird der Spielerschutz vor allem dadurch umgesetzt, dass Spielhallen und Spielbanken nur in einem engen gesetzlichen Rahmen Glücksspiele anbieten dürfen. Beispielsweise ist streng vorgeschrieben, wie viel Umsatz ein Automat in einer Spielhalle machen darf pro Stunde. Völlig anders ist die Situation bei den Online-Anbietern, denn aktuell findet keine (deutsche) Regulierung statt. Die Online-Buchmacher bezahlen zwar Wettsteuer, aber keine Abgabe für Maßnahmen gegen Glücksspielprobleme. Die Casino-Betreiber bezahlen überhaupt nichts an den deutschen Staat.

Aktuell findet eine große Diskussion darüber statt, wie der künftige Glücksspielstaatsvertrag in Deutschland aussehen soll. Möglich scheint derzeit auch, dass die Online Casinos und die Online-Buchmacher komplett legalisiert werden. Allerdings müsste das einhergehen mit einer sinnvollen Regulierung. Von einer bundesweiten Sperrliste bis hin zu vorgeschriebenen Abgaben für die Finanzierung von Organisationen, die gegen Glücksspielprobleme vorgehen, ist vieles vorstellbar. Alles wäre besser als die jetzige Situation. Derzeit gibt es zahlreiche Online-Buchmacher und Online-Casinos. Aber der deutsche Staat hat keine realistische Möglichkeit, die Geschäfte dieser Anbieter zu beeinflussen. Der britische Weg ist schon seit vielen Jahren wesentlich pragmatischer. Dadurch hat die britische Politik heute einen erheblichen Einfluss darauf, wie sich die Buchmacher und die Casino-Betreiber verhalten.