Der Brexit ist für die Glücksspielindustrie eine besondere Herausforderung. Zahlreiche Probleme müssen gelöst werden und es ist keineswegs sicher, dass für jedes Problem eine Lösung vorhanden sein wird. Je näher der Brexit rückt, desto konkreter werden die Sorgen der Unternehmen.

Europa Flagge CasinoWirtschaftliche Probleme in Großbritannien befürchtet

Alle seriösen Studien zum Brexit zeigen, dass Großbritannien zumindest in den ersten Jahren mit wirtschaftlichen Problemen rechnen muss. Nach dem Brexit muss das Land sich komplett neu aufstellen und zum Beispiel neue Handelsverträge abschließen. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die britische Wirtschaft mindestens stagnieren wird. Viele Experten glauben sogar, dass eine Rezession unvermeidlich sei. In jedem Fall ist zu erwarten, dass die britischen Glücksspiel-Fans nicht nur im Durchschnitt weniger Geld für Glücksspiel zur Verfügung haben werden. Die Unsicherheit, die durch den Brexit entsteht, könnte auch dazu führen, dass viele Menschen, die ansonsten gerne Sportwetten und Casino-Spiele nutzen, das Geld lieber sparen. Das mag im Einzelfall sinnvoll sein, aber für die Glücksspielindustrie würde dadurch ein finanzielles Problem entstehen.

Auf der anderen Seite wird der Staat durch stagnierende oder rückläufige Einnahmen fast dazu gezwungen sein, neue Einnahmequellen zu finden. Viele Glücksspielanbieter befürchten, dass beispielsweise die Kosten für Casino-Lizenzen und Buchmacher-Lizenzen nach oben gehen werden. Wenn gleichzeitig dann auch noch die Umsätze der Branche einbrechen würden, wäre das ein fatales Szenario. Die britische Glücksspielindustrie könnte nach Jahren des Aufschwungs einen deutlichen Abschwung erleben durch den Brexit. Vor allem die Unternehmen, die jetzt schon knapp kalkulieren müssen, könnten in die Pleite stürzen. Im besten Fall entsteht dadurch mittelfristig eine Konsolidierung, die nur die starken Unternehmen übriglässt. Aber eventuell gerät auch die gesamte Branche ins Wanken.

Gibraltar könnte zum größten Brexit-Problem werden

Für die meisten Europäer ist Gibraltar nicht mehr als einen Felsen, der an einer strategisch günstigen Stelle positioniert ist. Für viele Glücksspielanbieter aus Großbritannien ist Gibraltar aber der Standort für das Glücksspiel in der Europäischen Union. Bislang waren die britischen Anbieter vor allem aufgrund der steuerlichen Vorzüge in Gibraltar. Aber nach dem Brexit müssen die britischen Anbieter wahrscheinlich einen Standort in der EU haben, um überhaupt legal Glücksspiele und Sportwetten anbieten zu können in den Ländern der Europäischen Union. Um Gibraltar gibt es aber seit vielen Jahren Streit mit Spanien. Dieser Streit war weitgehend beruhigt dadurch, dass Großbritannien und Spanien als Mitglieder der EU gemeinsame Interessen in vielen Bereichen verfolgten.

Durch den Brexit ändert sich die Situation in Gibraltar erheblich. Derzeit gibt es zum Beispiel viele Menschen, die in Gibraltar arbeiten, aber in Spanien leben. Viele Briten nutzen die hohe Lebensqualität in Spanien und die guten Arbeitsplätze in Gibraltar. Wenn Spanien plötzlich beschließen sollte, ein härteres Grenzregime einzuführen, wäre dieses Geschäftsmodell kaputt. Dann wäre es für die vielen britischen Firmen in Gibraltar wesentlich schwieriger als bisher, qualifiziertes Personal zu finden. Viele Firmen befürchten, dass es genauso kommen wird nach einem Brexit und bereiten bereits den Umzug nach Malta vor. Malta bietet ähnliche Vorteile wie Gibraltar, ist aber ein eigenständiges Land und als Teil der Europäischen Union optimal für Anbieter von Online Casinos und Online-Sportwetten.

Ungewissheit beim Brexit macht Glücksspielbranche nervös

Eigentlich sollte Großbritannien längst aus der Europäischen Union ausgetreten sein. Doch die Verhandlungen sind bislang nicht zum Abschluss gekommen. Bis zum 31. Oktober soll es allerdings zu einem Austritt kommen. Nach dem Verlauf der bisherigen Brexit-Verhandlungen scheint jedoch alles möglich zu sein. Besonders dramatisch wäre für die britische Glücksspielindustrie ein Brexit ohne Einigung. Bei diesem sogenannten harten Brexit würde es nicht zur zu dramatischen wirtschaftlichen Verwerfungen in Großbritannien kommen. Auch die Situation der Unternehmen in Gibraltar und der britischen Angestellten in den Ländern der EU wäre völlig ungeklärt.

Etwas einfacher wäre die Situation, wenn es einen umfassenden Deal gäbe, der klare Spielregeln beinhalten würde. Dann könnten sich die britischen Unternehmen entsprechend verhalten. Im Idealfall könnte die britische Glücksspielindustrie genauso weitermachen wie bisher. Aber das ist eher unwahrscheinlich, denn es ist keineswegs sicher, dass die Europäische Union ein Interesse daran hat, britische Firmen auf dem künftigen EU-Glücksspielmarkt überhaupt zuzulassen. Nach einem Austritt könnte die EU zum Beispiel den Zugang für britische Anbieter komplett sperren. Im Moment gibt es keine Pläne in dieser Hinsicht, aber wenn der Brexit erst einmal stattgefunden hat, wird es mit Sicherheit Politiker in der EU geben, die den Glücksspielmarkt für die eigenen Unternehmen beanspruchen.