Der Brexit könnte für die Glücksspielbranche in Großbritannien zu großen Problemen führen. Da im Moment noch immer nicht sicher ist, ob und in welcher Form der Brexit stattfinden wird, müssen die Anbieter sich auf verschiedene Szenarien einstellen. Die vielen erfolgreichen Anbieter von Glücksspielen und Sportwetten in Großbritannien stehen vor einer großen Herausforderung.

BrexitBrexit beinhaltet mehrere Risiken für Glücksspielanbieter

Ein Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union hat viele Folgen. Für die Glücksspielindustrie könnte zum Problem werden, dass etwa 30 Prozent der Angestellten in Großbritannien aus anderen EU-Ländern kommen. Wahrscheinlich werden Regelungen beschlossen werden, um diese wichtigen Angestellten im Land zu halten. Aber nach einem Brexit könnte es für die Unternehmen in Großbritannien deutlich schwieriger werden, die besten Fachkräfte in anderen europäischen Ländern anzuwerben. Vor allem für die kleinen und aufstrebenden Glücksspielanbieter, die sich die zusätzlichen Kosten nicht leisten können, entsteht dadurch wahrscheinlich ein neues wirtschaftliches Risiko, das auch zu Pleiten führen könnte.

Besonders dramatisch könnten die Auswirkungen eines harten Brexits sein. Im schlimmsten Fall haben die britischen Glücksspielanbieter dann nicht einmal mehr Zugriff zu Streaming-Anbietern, die in anderen europäischen Ländern beheimatet sind. Generell könnte der Datentransfer in die Länder der Europäischen Union deutlich teurer werden, da die Tarife neu ausgehandelt werden müssten. Bei einem harten Brexit wäre zudem zu befürchten, dass neue Zölle entstehen würden. Auch das Thema Mehrwertsteuer könnte für die Glücksspielbranche zu einem teuren Kostenfaktor werden. Diese Probleme lassen sich am Ende nur lösen, wenn die Europäische Union dazu bereit ist, Lösungen zu finden. Ob das der Fall sein wird, kann derzeit niemand seriös beurteilen.

Neue Glücksspielanbieter haben es schwerer nach Brexit

Viele Glücksspielanbieter, die in den letzten Jahren entstanden sind, haben auch davon profitiert, dass in der EU Firmengründungen oft mit Fördergeldern unterstützt werden. Die EU-Gelder, die von diversen Anbietern in Anspruch genommen werden konnten, fallen bei einem Brexit weg. Es ist äußerst fraglich, ob Großbritannien diese Lücke schließen wird, zumal allgemein erwartet wird, dass mindestens in den ersten Jahren die britische Wirtschaft unter dem Brexit deutlich leiden wird. Das könnte mittelfristig dazu führen, dass die britische Glücksspielindustrie stagniert oder sogar schrumpft. Da Sportwetten und Glücksspiele mittlerweile einen Umsatz von über 14 Milliarden Pfund im Jahr generieren, wäre das ein Problem für Großbritannien.

US-Markt könnte für britische Anbieter die Rettung bringen

Sollten alle negativen Szenarien eintreffen, könnte es für die britische Glücksspielindustrie in den nächsten Jahren eng werden. Aber es gibt auch ein positives Szenario, und zwar mit einem Blick auf die aktuelle Situation in den USA. Mittlerweile gibt es einige Bundesstaaten in den USA, die seriöse Online Casinos und Sportwetten im Internet erlauben. Es wird erwartet, dass der US-Markt insgesamt deutlich liberaler wird, sodass viele Buchmacher und Casino-Betreiber die Möglichkeit haben, ihre Produkte auf dem amerikanischen Markt anzubieten. Gerade für die britischen Firmen könnte das eine gute Option sein, da es in den meisten Fällen ohne großen Aufwand möglich wäre, die Angebote an den amerikanischen Markt anzupassen.

Firmensitz in ein anderes EU-Land verschieben?

Eine Option für britische Glücksspielanbieter ist der Umzug vor oder nach dem Brexit in ein anderes EU-Land. Einige Firmen haben bereits ihre Aktivitäten in Malta und Gibraltar erhöht. Ein kompletter Umzug kommt aber wohl nur für die eher kleinen Firmen infrage, da ansonsten der Aufwand kaum zu stemmen wäre. Gerade die großen Anbieter hätten zudem große Probleme, auf Anhieb in Malta oder Gibraltar genügend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. Wer langfristig zumindest eine Filiale in einer dieser beiden Jurisdiktionen unterhält, kann aber vielleicht die eine oder andere negative Folge des Brexits leichter abfedern.

Deutschland kommt für die britischen Glücksspielanbieter nicht als alternativer Standort infrage, da nach wie vor eine umfassende und verlässliche Regulierung der Glücksspielangebote im Internet fehlt. Sportwettenanbieter haben zwar mittlerweile eine komfortable Position, aber Casino-Betreiber, die in Deutschland ihre Glücksspiele anbieten, sitzen nach wie vor bevorzugt in Malta, Gibraltar, Zypern oder ähnlichen Ländern, die eine günstigere Gesetzgebung für Sportwettenanbieter Casino-Betreiber haben. Wenn die Situation anders wäre, könnte Deutschland vielleicht erheblich wirtschaftlich profitieren vom Brexit. Dazu wird es aber nicht kommen, denn nicht einmal der Brexit wird so oft verschoben, dass am Ende Deutschland noch vor dem EU-Austritt Großbritanniens eine umfassende Glücksspielregulierung hat.