Bernie Sanders hat die Gewerkschaften in der Spielebranche gelobt. Der demokratische Präsidentschaftskandidat betonte, dass es für die wachsende Industrie wichtig sei, dass die Angestellten durch starke Gewerkschaften ihre Rechte durchsetzen könnten. Allerdings sehen nicht alle Vertreter der Spielebranche das genauso wie Sanders.

bernie SandersSpielebranche setzt Milliarden um

Nicht nur die Online Casinos sind in den USA auf dem Vormarsch. Auch die Videospiel-Industrie ist auf Wachstumskurs. Im Jahr 2018 erreichte die Spielebranche einen Umsatz von ungefähr 43 Milliarden Euro. Das ist eine beeindruckende Leistung, die letztlich aber nur möglich ist, weil mehr als 220.000 Menschen in der Industrie arbeiten. Für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders ist es wichtig, dass die Angestellten in der Glücksspielbranche gut vertreten werden durch starke Gewerkschaften. Namentlich nannte Sanders die beiden Gewerkschaften IATSE (International Alliance of Theatrical Stage Employees) und GameWorkers. Nur durch eine starke Arbeitnehmer-Vertretung sei es letztlich möglich, vernünftige Arbeitsbedingungen langfristig zu gewährleisten. Laut Bernie Sanders sei es gerade in der Entertainment-Industrie häufig der Fall, dass die Angestellten zu viel arbeiten und zu wenig verdienen würden.

Die IATSE begrüßte den Vorstoß von Bernie Sanders und betonte in einer Pressemitteilung, dass es wichtig sei, dass die Angestellten als Gruppe gegenüber den Arbeitgebern auftreten würden. Nur das klassische Gewerkschaftsprinzip könnte gewährleisten, dass nicht nur die Top-Leute der Industrie erstklassige Bedingungen am Arbeitsplatz vorfinden. Insbesondere sei es wichtig, dass der Anteil der Angestellten am Erfolg der Unternehmen ausreichend gewürdigt werde. In erster Linie müsse dies über eine faire Bezahlung erfolgen. Darüber hinaus müsse aber auch sichergestellt werden, dass die Arbeitsbedingungen so gestaltet seien, dass es langfristig möglich sei, Top-Leistungen zu bringen. Letztlich würden auch die Unternehmen von den Gewerkschaften profitieren, denn gut bezahlte Arbeitnehmer, die ein positives Arbeitsumfeld haben, könnten langfristig viel besser zum Unternehmenserfolg beitragen als Arbeitnehmer, die sich ausgebeutet fühlen.

Industrievertreter sehen Gewerkschaften mit Skepsis

Strauss Zelnick, der CEO von Take 2 Interactive, einem der größten Spielehersteller der Welt, reagierte skeptisch auf die Äußerungen von Bernie Sanders. Nach Meinung von Zelnick seien Gewerkschaften in der Spielebranche überflüssig, da das durchschnittliche Gehalt über 100.000 Dollar betrage. Gewerkschaften seien vielleicht in Branchen hilfreich, die niedrige Löhne bezahlen würden. Aber die meisten Menschen in der Spielebranche seien hoch qualifiziert und würden entsprechend hohe Gehälter beziehen. Was der Sinn von Gewerkschaften in diesem Arbeitsumfeld sein solle, erschließe sich ihm nicht. Aber vielleicht ist das ein etwas elitärer Blick auf die gesamte Situation, denn in manchen Unternehmen mag die Situation so sein, dass Gewerkschaften tatsächlich nicht viel zu tun hätten. Aber auch in der Spielebranche gibt es Start-ups und Kleinunternehmen, die nicht mit hohen Standards arbeiten. Zudem sollte nicht vergessen werden, dass es in jedem größeren Unternehmen Menschen gibt, die einfache Jobs haben und entsprechend auch keine hohen Gehälter beziehen.

In den USA sind Gewerkschaften traditionell umstritten. Nicht nur viele Unternehmen lehnen Gewerkschaften ab. Auch viele Arbeitnehmer glauben, dass Gewerkschaften nicht hilfreich seien, um die eigenen Rechte durchzusetzen. Bernie Sanders ist ein bekennender Anhänger des Sozialismus und will die Stärkung der Gewerkschaften zu einem großen Thema seiner Bewerbung um die Präsidentschaft machen. Wenn Bernie Sanders mit dieser Strategie Erfolg hat, wird es vielleicht auch demnächst in der Glücksspielindustrie, die auf Wachstumskurs ist, deutlich stärkere und größere Gewerkschaften geben. Aktuell geht es für Bernie Sanders aber zunächst darum, die anderen demokratischen Bewerber um die Kandidatur zur US-Präsidentschaft zu schlagen. Es wird spannend sein zu sehen, wie die anderen demokratischen Kandidaten auf die Vorschläge von Bernie Sanders reagieren.