Berliner Senat prüft Sperrsystem für Spielsüchtige

Sperrsystem für SpielsüchtigeDer ganze Bereich des Glücksspiels, von Spielhallen bis zu Online Casinos, liegt den Regierungsvertretern anscheinend schwer im Magen, anders ist es nicht zu erklären, dass es fast jeden Monat neue Nachrichten darüber gibt, wie man den Gamblern das Leben noch schwerer machen könnte. Nachdem wir vor kurzem über das neue Abstandsgesetz für Spielotheken in Berlin berichteten, welches zu einem Massensterben an Spielhallen führen wird, arbeitet die Führungsetage nun an weiteren Einschnitten für die Freunde von Spielautomaten. Geprüft wird die Errichtung einer Sperrdatei, die echten oder vermeintlich Spielsüchtigen das Zocken in Berlin untersagen soll.

Das Sperrsystem OASIS GlüStV aus Hessen könnte zum Vorbild werden

Im Westen ist alles besser, hieß es früher in der alten DDR und dass diese Aussage nicht immer zutrifft zeigt sich jetzt in Berlin. So löblich und wichtig der Ansatz der Bekämpfung von Spielsucht auch ist, so wird man hier wieder mit Kanonen auf Spatzen schießen. Ein Gesetz ist zwar noch nicht verabschiedet, aber wer die spaßbefreite Hauptstadt kennt, der weiß, dass es weiteren Zockern an den Kragen gehen soll. Das Sperrsystem OASIS GlüStV aus Hessen hat nämlich einige versteckte Tücken. Neben der sehr löblichen und sinnvollen Selbstsperre die man sich auferlegen kann, wenn man bemerkt, dass aus dem harmlosen Hobby sich ein Suchtverhalten entwickelt und man dabei ist Haus, Hof und Hund zu verscherbeln, gibt es die Möglichkeit einer Sperre durch Spielhallenbetreiber oder Dritte Personen. Die Sperre gilt dabei beim OASIS für das ganze Bundesland Hessen und wäre in der gleichen Form auf Berlin übertragbar. Durch die Möglichkeit einer Sperre durch Dritte sind dem Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Sperren die Betreiber von Spielotheken jetzt den Zocker weil er tatsächlich spielsüchtig ist, oder wollen sie nur einen unliebsamen Kunden, der zu viel gewinnt, loswerden? Lässt ein Partner eines Spielers diesen sperren, weil er das Hobby nicht ausstehen kann, oder weil man vorher in Streit geraten ist und man ihm somit vor den Karren fahren kann?

In Hessen wurden seit 2014 schon 10.000 Zocker vor die Tür gesetzt

Seit dem Aufbau von OASIS GlüStV 2014 in Hessen landeten schon etwa 10.000 Liebhaber von Slot Automaten auf der Schwarzen Liste und haben nun Hausverbot. Wie viele davon tatsächlich spielsüchtig sind, lässt sich an Hand der Daten nicht ermitteln. Was sich aber ermitteln lässt ist, dass seit diesem Zeitpunkt der Umsatz der Spielotheken massiv eingebrochen ist. In Berlin geht man derzeit von 37.000 Gamblern aus, die mit der Einführung des neuen Gesetzes massiv gefährdet wären. Anstatt einmal Geld für Prävention und Aufklärung zu investieren und eine vernünftige Unterscheidung zwischen Hobbyspielern und Spielsüchtigen zu treffen, steckt man lieber wieder alle in einen Sack und lässt den Knüppel kreisen. Freunde von Spielautomaten Casinospielen haben es in Berlin wirklich nicht leicht, aber auch anderen Zockern könnte in anderen Bundesländern das Lachen irgendwann vergehen. Kerstin Jüngling von der Fachstelle für Suchtprävention forderte vor kurzem ein bundesweites Sperrsystem einzuführen, natürlich nicht um erwachsene Menschen zu gängeln, sondern nur um die Spielsucht zu bekämpfen. Natürlich ist Spielsucht ein ernstes Thema und eine nicht zu unterschätzende Gefahr, aber wieder einmal alle Zocker in einen Topf zu werfen und sie als unmündige Kinder, die man erziehen muss, hinzustellen, passt in die heutige Zeit wo Selbstbestimmung und Selbstverantwortung nur noch Relikte einer liberalen Vorzeit zu sein scheinen. Online Casinos werden sich über den Zuwachs an neuen Gamblern freuen und der Staat wird auf eine Menge Steuern verzichten müssen, die für die Suchtprävention zu Verfügung gestanden hätten.

 

1 2 3 4 5
Berliner Senat prüft Sperrsystem für Spielsüchtige
5.00 (100%) 16 votes
Danke für lhre Wertung!
Von Gerda Hartig | 1. Oktober 2018 | Kategorien: Glücksspiel-Gesetzgebung, Nachrichten | Labels: , , , |

Über den Autor: Gerda Hartig

Gerda Hartig
Nein, Frauen spielen in Online Casinos nicht nur Rubbellose oder Bingo. Und auch ansonsten bin ich alles andere als politisch korrekt. Ich sage was Sache ist in den Online Casinos, bei den Herstellern der Casinospiele und bei der Politik, welche den Spielerschutz vorschiebt, um doppelt abkassieren zu können.

Hinterlassen Sie einen Kommentar