Mehrere Politiker der beiden Regierungsfraktionen der CSU und der Freien Wähler in Bayern haben im Landtag einen Antrag eingebracht, in dem es darum geht, Lootboxen besser zu regulieren. In dem Antrag werden die Lootboxen als „glücksspielähnlich“ bezeichnet. Die Lootboxen stehen schon länger in der Kritik.

Kommt Altersbeschränkung für Spiele mit Lootboxen?

LootboxenEtwas verharmlosen könnte man Lootboxen als Überraschungseier bezeichnen, in denen mehr oder weniger wertvolle Gegenstände für das jeweilige Spiel zu finden sind. Der Haken bei der Geschichte: In der Regel müssen die Spieler bezahlen für den Inhalt der Lootbox. Auch wenn in vielen Spielen mit einer virtuellen Währung bezahlt wird, haben die Gegenstände doch häufig einen realen Wert, da es Börsen gibt, den diese Items gehandelt werden können. In manchen Spielen wird aber auch direkt echtes Geld verlangt. Sehr viele populäre Spiele haben Lootboxen. Dazu gehören zum Beispiel auch Overwatch und FIFA. In der Kritik stehen die Lootboxen schon lange, da sie von manchen Beobachtern mit Spielautomaten gleichgesetzt werden. Trotzdem hat die Politik es bisher versäumt, die geltenden Regeln anzupassen. Aktuell können zum Beispiel auch Jugendliche viele Spiele mit Lootboxen kaufen. Der Grund dafür: Die Altersfreigabe berücksichtigt aktuell nicht, ob Lootboxen im Spiel vorhanden sind oder nicht. Das soll sich ändern, wenn es nach dem Willen der Politiker geht, die den aktuellen Antrag im bayerischen Landtag gestellt haben. Immerhin haben sich zahlreiche Abgeordnete der beiden Regierungsparteien im Landtag gefunden, die den Antrag unterzeichnet haben.

In der kommenden Debatte muss geklärt werden, ob die Lootboxen tatsächlich gefährlich sind für Jugendliche. Der wichtigste Ansatzpunkt bei der Beschränkung dieser speziellen Spiele-Features ist der Jugendschutz. Andere Ansatzpunkte gäbe es wahrscheinlich nur, wenn die Lootbox als Glücksspiel gewertet würden. Es dürfte aber kein Zufall sein, dass im Antrag von „glücksspielähnlichen Elementen“ gesprochen wird und nicht von Glücksspielen. Juristisch ist sehr genau definiert, was ein Glücksspiel ist. Einige Experten bezweifeln, dass die Lootbox im juristischen Sinne Glücksspiele sind. Andernfalls wäre es ohnehin nötig, sämtliche Lootboxen komplett zu verbieten, denn die Anbieter von Online-Spielen haben überhaupt keine Lizenz. Es gibt zwar Online Casinos mit Lizenz in Schleswig-Holstein. Aber ansonsten gibt es in Deutschland keine Lizenz für Online-Glücksspiele. Schon an diesen Ausführungen wird deutlich, dass die umstrittenen Lootboxen sowohl den Juristen als auch den Politikern noch einige graue Haaren bescheren könnten. Was im ersten Moment sehr offensichtlich aussieht, könnte aus juristischen Gründen zu einem schwierig lösbaren Problem werden.

Einige offene Fragen bei Lootboxen

Im aktuellen Antrag der Politiker von CSU und den Freien Wählern wird deutlich, dass längst noch nicht alle Fragen zu den Lootboxen eindeutig geklärt sind. Beispielsweise wird im Antrag behauptet, dass Lootboxen keineswegs nach dem Zufallsprinzip funktionieren würden, sondern Algorithmen hätten, die dafür sorgen würden, dass die Spieler möglichst oft zugreifen würden. Das wird immer wieder behauptet, lässt sich aber bislang kaum belegen. Die Hersteller betonen, wenn sie sich überhaupt dazu äußern, dass es sich um Spiele handele, bei denen das Zufallsprinzip gelte. Auch das Suchtpotenzial der Lootboxen ist umstritten, auch wenn immer wieder behauptet wird, dass gerade Jugendliche dafür anfällig seien. Der Antrag zu den Lootboxen wird dem bayerischen Landtag die Möglichkeit geben, dieses Thema ausführlich zu erörtern. Auch Anhörungen von Experten sind möglich und wahrscheinlich. Die meisten unabhängigen Experten sind der Auffassung, dass Lootboxen besser reguliert werden müssen als bisher. Aber ob das bedeutet, dass Lootboxen komplett verboten werden oder nur mit einer Altersfreigabe verbunden werden sollten, ist umstritten.

Für die Spieleindustrie ist der aktuelle Antrag problematisch, da eine strenge Regulierung dazu führen würde, dass ein bislang sehr erfolgreiches Geschäftsmodell überdacht werden müsste. Aber das muss nicht unbedingt ein Hindernis sein für die Politiker in Bayern, strengere Regeln für Lootboxen zu beschließen. Computerspiele waren schon sehr erfolgreich, bevor es Lootboxen gab und wenn es sich wirklich nur um harmlose Spiele in den Games handelt, sollten auch die Hersteller keinen Stress mit dem Verzicht auf Lootboxen haben. Wahrscheinlicher ist aber, dass man sich am Ende bestenfalls darauf einigen können wird, den Jugendschutz zu verbessern. Aber nicht einmal das ist sicher. Die Spieleindustrie ist mittlerweile zu einer beachtlichen Größe herangewachsen und viele Politiker möchten ungern in eine erfolgreiche Branche eingreifen. Am Ende sollte es aber vor allem darum gehen, wie der Spielerschutz und der Jugendschutz am besten umgesetzt werden können. Bedauerlicherweise werden Entscheidungen in der Politik aber nicht immer auf der Basis rationaler Argumente getroffen. Doch die Diskussion steht noch ganz am Anfang, sodass noch alles möglich ist.

Branchenverband bewertet Lootbox nicht als Glücksspiele

Der renommierte Verband der deutschen Games-Branche (game) hat eine klare Position zu den Lootboxen. Demnach handele es sich nicht um Glücksspiele, denn die Spielmechanik sei völlig anders als bei Spielen in Online Casinos oder in Spielhallen. Vielmehr handelt es sich bei den Lootboxen eher um so etwas wie ein Überraschungsei oder ein Sammelalbum mit den entsprechenden Bildern. Das klingt alles sehr harmlos und es gibt auch gute Argumente dafür, Lootboxen zumindest in bestimmten Varianten nicht als Glücksspiele im juristischen Sinne zu bewerten. Aber es gibt auch Grenzbereiche. Beispielsweise ist es schwer zu erklären, warum eine Lootbox, bei der ein Echtgeld-Einsatz nötig ist und bei der über den eventuell wertvollen Gewinn per Zufallsprinzip entschieden wird, kein Glücksspiel sein soll. Aber auch das ist wieder eine juristische Frage, die irgendwann wahrscheinlich in Deutschland von den Gerichten geklärt werden muss. Ein paar interessante Details am Rande: Die UK Gambling Commission hat gerade erst befunden, dass diese in Großbritannien nicht als Glücksspiel einzustufen seien. Dahingegen werden Lootboxen von der belgischen Glücksspielbehörde als Glücksspiele eingestuft. Vielleicht schafft es Deutschland ja, noch eine dritte Variante hinzuzufügen, damit die Verwirrung in Europa endgültig auf Top-Niveau ist.