Im Durchschnitt besuchen 518 zum Teil sehr “hoch spielende” Gäste das Casino in Bad Homburg. Und weil es für den Betreiber wie für die Stadt so gut läuft, hat der Wirtschafts- und Finanzausschuss den Magistrat einstimmig beauftragt, sich um eine Verlängerung der Konzession für zusätzliche fünf Jahre zu bemühen. Die Francois-Blanc-Spielbank GmbH ist zu hundert Prozent eine Tochter der Kur- und Kongreß GmbH. Schon seit sechseinhalb Jahren ist sie für das Spielvergnügen im Kurpark zuständig. Neben Roulette stellen inzwischen die Automaten den größten Anteil des Bruttospielergebnis dar. Die Spielbank-Betriebserlaubnis erlischt gegen Ende 2022. Sofern das Hessische Innenministerium zustimmt, kann sie durchaus nochmal um fünf Jahre verlängert werden. Nach 15 Jahren ist allerdings Schluss. Dann schreibt das Gesetz eine neue Ausschreibung vor. 

Bad Homburg SpielbankBruttospielerlös stieg auf 34 Millionen

Der Grund für diesen Schritt sei die “ausgesprochen positive Entwicklung der Spielbankergebnisse”. Oberbürgermeister Alexander Hetjes (CDU), der zugleich Vorsitzender des Spielbank-Verwaltungsrats ist, fügt hinzu: “Die Entscheidung, die Konzession in städtische Hände zu legen, hat sich als segensreich erwiesen. Deswegen wollen wir die Verlängerung frühzeitig in trockene Tücher bekommen.” Von einer “prächtigen Entwicklung” spricht auch Kurdirektor und Sprecher der Casino-Geschäftsführung Holger Reuter, der Spielbankdirektor Lutz Schenkel unterstützt, der sich um das operative Geschäft kümmert.

Seit letzter Woche liegen dem Verwaltungsrat die aktuellen Zahlen vor. Der Bruttospielerlös stieg 2018 auf rund 34 Millionen Euro an. Diese Zahl ist dem Umsatz in etwa gleichzusetzen, da es sich hierbei um die Einnahmen abzüglich der Gewinnausschüttung handelt. 26,7 Millionen Euro waren es in 2017 gewesen. Parallel ist auch der Gewinn angestiegen. 2017 wurden noch 1,1 Millionen Euro verbucht und im vorigen Jahr stieg der Gewinn auf 1,3 Milliarden Euro an. 

Probleme mit Nichtraucher- und Geldwäschegesetzen

Auch die Stadt Bad Homburg profitiert vom höheren Bruttospielergebnis, denn 67,25 Prozent davon muss das Casino als Abgabe ans Land abführen, wovon etwa ein Drittel wieder nach Bad Homburg zurückfließt. Für 2018 macht das immerhin über 7 Millionen Euro aus. “Das war zuletzt vor 13 Jahren der Fall”, konstatiert Reuter. 2010 brachte das Glücksspiel der Stadt nur 3,7 Millionen Euro ein. Damals rechnete man schon mit dem Niedergang der Spielbanken, da sie große Probleme mit den Nichtraucher- und Geldwäschegesetzen hatten sowie mit den Einlasskontrollen für das Automatenspiel. Probleme, die bei Online Casinos nicht existieren.

Aber auch staatlich konzessionierte Casinos verzeichnen einen Aufwärtstrend. Der Deutsche Spielbankenverband gibt als Wachstum des Bruttospielergebnis in 2018 knapp 13 Prozent an. Mit 27 Prozent lag demnach der Bad Homburger Anstieg weit über dem Durschnitt in der Branche. Mit seinen 163 Spielautomaten erzielte das Casino mehr als 70 Prozent des Bruttospielerlöses. 

Zwischen Tradition und Trend

Das Casino in Bad Homburg wurde 1841 gegründet und feierte vor 70 Jahren seine Wiedereröffnung, nachdem es von den Preußen verboten worden war. Schon wegen seiner alten Tradition bemühen sich die Betreiber um das große Spiel an Karten- und Roulettetischen, ohne dabei aktuelle Trends aus den Augen zu verlieren: Kameras übertragen das Geschehen an den Spieltischen an eine gewisse Anzahl Anbieter mit  entsprechender Lizenz. Nutzen dürfen dies nur Spieler aus dem Ausland. Auch das Veranstaltungsgeschäft in der Lounge boomt. Derzeit sind rund 230 Mitarbeiter im Casino beschäftigt, etwas weniger, als noch vor einigen Jahren.

Reuter ist sehr stolz darauf, dass sich die Gästezahl kontinuierlich erhöht hat: “2013 waren es noch 350 täglich. Heute liegen wir bei 518 Gästen pro Tag”. Dabei betont der Kurdirektor die Besonderheit, dass es sich bei den Besuchern um viele “hoch spielende” handelt. Bad Homburg liegt mit einem Spielerlös von 187 Euro pro Besucher an zweiter Stelle in Deutschland. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 120 Euro. 

Städtischer Beteiligung steht nichts im Weg

Da die Spielbank ein wichtiger Bestandteil des Stadtmarketings ist, hält Kurdirektor Reuter den Einfluss der Stadt für enorm wichtig. “Es war vor sieben Jahren die richtige Entscheidung, sich für die Konzession zu bewerben. Damals gab es viele Diskussionen, die mit einem europaweiten Verfahren zu tun hatten”, erläutert er und ergänzt: “Deswegen konnten die Informationen nur sehr eingeschränkt fließen.” Auch die Einlage von zehn Millionen Euro hätte sich bezahlt gemacht, fügt Reuter hinzu.

Der zuletzt von den Medien aufgegriffene “Compliance-Fall” steht einer städtischen Beteiligung ebenfalls nicht im Wege, so Reuter. Im Mai wurde die Unterschlagung von 1,1 Millionen Euro bekannt. Aus diesem Grund sitzt ein ehemaliger Mitarbeiter in Untersuchungshaft, und gegen zwei weitere Kollegen von ihm wird noch ermittelt. “Das arbeitet die Staatsanwaltschaft ab, und wir unterstützen sie dabei,” beendet der Kurdirektor das Gespräch.