Es ist Bostons ganzer neuer Stolz: der vor knapp zwei Monaten eröffnete Encore Boston Harbor Komplex. Das größte private einphasige Bauprojekt in der Geschichte des Commonwealth von Massachusetts. 2014 nahm es seinen Anfang, und nach seiner Fertigstellung umfasst es neben einem Casino zahlreiche Hotels, Kongresszentren, Restaurants und Wellness-Oasen auf einer Gesamtfläche von fast 14 Hektar. Knappe 2,5 Milliarden Dollar an Baukosten hat das Projekt verschlungen und nun ist es schon in den negativen Schlagzeilen. 

Verdacht auf Manipulationen im Casino

Casino DuisburgWynn Resorts, die Eigentümer des Encore Boston Harbor Casino, sahen sich schon wenige Wochen nach der Eröffnung mit Vorwürfen eines New Yorkes Besuchers und seines Anwalts konfrontiert. Angeblich sollen die Spieler mit nicht ausgezahlten Gewinnen und falschen Quoten betrogen worden sein. Das 2002 gegründete börsennotierte Unternehmen betreibt mehrere Casinos in den vereinigten Staaten, schwerpunktmäßig in Las Vegas, wo Firmengründer Steve Wynn das „Wynn Las Vegas“ als Grundstein seiner Unternehmungen aufbaute. Nach einer Anhörung der Massachusetts Gaming Commission wies diese aber sämtliche Vorwürfe gegen das Casino zurück. Jetzt aber mal der Reihe nach: 

Anfang Juni eröffnet das neue Casino mit einer großen Feier seine Pforten und die Besucher strömten vom ersten Tag an in das Ressort, um sich an Pokertischen, Slotmaschinen und anderen Glücksspiel-Angeboten zu erfreuen. Nebenbei boten auch die zahlreichen und kostspieligen Kunstgegenstände, mit denen das Casino ausgestattet ist, eine zusätzliche Attraktion. So weit, so gut! Aber nach nur wenigen Wochen meinte ein Besucher aus New York, A. Richard Schuster, Unregelmäßigkeiten bemerkt zu haben und schaltet seinen Anwalt ein. Josuha N. Garrick konfrontierte das Casino mit mehreren schweren Vorwürfen und bezichtigte es, illegale Praktiken angewandt zu haben. So würde zum Beispiel bei den Blackjack Spielangeboten mit unrechtmäßigen Quoten gearbeitet. Statt dem üblichen Standard von 2-3 soll die schlechtere Quote von 6-5 eingesetzt worden sein, ohne das Spiel entsprechend anzupassen. Zusätzlich sei es bei den Ticket-Einlöse-Automaten zu einem Betrug gekommen, da diese nur Dollar-Scheine ausgeben würden und kein Münzgeld, so dass die Spielerinnen und Spieler das Wechselgeld nicht vollständig ausgezahlt bekommen. Und zu guter Letzt wird dem Unternehmen vorgeworfen, die Gewinne aus nicht eingelösten Tickets in die Hauskasse transferiert haben, anstatt, wie gesetzlich vorgeschrieben, sie dem „Commonwealth’s Gaming Revenue Fund“ zukommen zu lassen.   

„Alles ganz anders“, sagt die Gaming Commission

Natürlich sah sich die zuständige Glücksspielbehörde zum sofortigen Handeln veranlasst und verschaffte sich zunächst einen Überblick über die ganzen Vorwürfe. Das Investigations and Enforcement Bureau (IEB) nahm unangemeldet eine Untersuchung vor Ort vor, und inspizierte die neu eröffnete Spielstätte. In einer öffentlichen Anhörung fasst das IEB dann seine Untersuchungsergebnisse zusammen und präsentierte sie den Zuhörern. Das Ergebnis lautete: Es liegen keine Verstöße gegen das geltende Glücksspielgesetz des Staates Massachusetts vor!

In seiner Begründung widerlegte es jeden Vorwurf. So sei bezüglich der Blackjack Quoten festgestellt worden, dass es jedem Casino freigestellt sei, diese auf 2-3 oder 6-5 festzulegen, so lange diese dem Spieler vor Spielbeginn deutlich angezeigt würden. Dies sei im Encore Boston Harbor Casino der Fall, da sämtliche Wettquoten an den Tischen deutlich sichtbar seien. Belegt wurde diese Aussage durch Fotobeweise. Nicht nachvollziehen konnte das Büro auch die Vorwürfe der nicht ausgezahlten Gelder, da die Besucher des Casinos diese auf den Cent genau an den Kassen ausgezahlt bekommen würden. Der Restbetrag, der nicht von den Automaten ausgeschüttet würde, da diese tatsächlich nur Banknoten ausgeben, würde so nicht verfallen, sondern könnte an der Kasse abgeholt werden. Um zukünftig diese Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, hat das Casino den Vorschlag der Kommission, entsprechende Hinweise an den Spielgeräten anzubringen, sofort aufgegriffen und umgesetzt. 

Zu guter Letzt konnte der Untersuchungsausschuss auch den dritten Vorwurf entkräften, dass Gelder nicht in den staatlichen Fond fließen würden. Dies sei nicht möglich, da das Casino keinerlei Infrastruktur besitze um die Gewinntickets selber einzulösen, sondern diese gehen durch ein unabhängiges System direkt in den staatlichen Fond. 

Ein Ende ist noch nicht in Sicht

Damit ist der Fall aber noch nicht abgeschlossen. Der Anwalt des Klägers hat schon angekündigt, dass man den Gang zu einem ordentlichen Gericht in Erwägung zieht und ist empört, wie die Untersuchung durchgeführt worden sei. Er führt aus: „Wenn es das Ziel der Commission ist, dass das Glücksspiel in Massachusetts integer bleibt, fragen wir uns, warum die Vertreter des Encore Boston Harbor Casinos mit den Prüfern des IEB zusammensaßen und an der Präsentation der Untersuchungsergebnisse teilnahmen, während wir weder kontaktiert noch eingeladen wurden, ebenfalls teilzunehmen. Wir freuen uns jetzt darauf, diese Klage energisch voranzutreiben, damit Blackjack und Spielautomaten im Encore Casino wieder in fairer und ehrlicher Weise gespielt werden können.“ Er warf den Ermittlern vor, übereilt vorgegangen zu sein und die Ergebnisse, gerade in Bezug auf die Blackjack Quoten, falsch interpretiert zu haben. Die Behörden weist diese Vorwürfe zurück und sieht einer gerichtlichen Klage gelassen entgegen. 

Bei seriösen Online Casinos, wie zum Beispiel Mr. Green, wäre es zu solchen Streitigkeiten wohl eher nicht gekommen, da diese einer strengen Überprüfung unterliegen und so der Spieler einen größtmöglichen Schutz hat.