Die European Gaming and Betting Association (EGBA) hat sich deutlich gegen einen neuen Gesetzesentwurf in Italien positioniert. Nach Einschätzung des renommierten Branchenverbandes könnte das neue Glücksspielgesetz dazu führen, dass der Anteil des illegalen Glücksspiels auf dem italienischen Markt deutlich ansteigt. In Italien soll nach dem Willen der aktuellen Regierungskoalition demnächst ein neues Gesetz verabschiedet werden, mit dem die Anzahl der Lizenzen für Online Casinos deutlich reduziert wird. Das Ziel der Regierung ist es, die Anzahl von 120 auf 40 zu senken. Damit der Staat trotzdem keine Einnahmen verliert, sollen die Lizenzgebühren deutlich erhöht werden.

Italien will Glücksspiel-Lizenzen deutlich teurer machen

Italien Gaming Online Casino

Eine Lizenz soll in Zukunft mindestens zweieinhalb Millionen Euro kosten. Allerdings wird der Lizenznehmer für diesen Preis dann gleich eine Lizenz für neun Jahre erhalten. Das Grundproblem bei einer derart hohen Lizenzgebühr dürfte allerdings sein, dass ausschließlich große Unternehmen und Konzerne eine realistische Chance hätten, eine Lizenz zu bekommen. Zudem plant Italien eine Auktion der Casino-Lizenzen. Der Plan ist es, 40 Lizenzen zur Verfügung zu stellen und diese Lizenzen dann den Meistbietenden zukommen zu lassen. Mit einem Mindestpreis von 2,5 Millionen Euro würde dies dazu führen, dass Italien mindestens 100 Millionen Euro einnimmt mit den Glücksspiel-Lizenzen. Auf den ersten Blick mag das wie ein großartiges Geschäft aussehen. Aber es handelt sich um eine einmalige Einnahme, die dann fast über ein ganzes Jahrzehnt gestreckt wird. Insofern relativiert sich die vermeintlich gute Idee bei einer genaueren Prüfung der Details. Die European Gaming and Betting Association hat sich sehr kritisch in einer aktuellen Stellungnahme zu den neuen Plänen in Italien geäußert. Es sei eine schlechte Idee, die Anzahl der Online Casinos künstlich zu senken. Der einzige Effekt wäre, dass die illegalen Anbieter einen Vorteil hätten. Wenn es in Zukunft nur noch ein Drittel der bisherigen Online Casinos in Italien gäbe, würde das niemandem helfen. Vor allem würde der Spielerschutz nicht besser. Auch auf dem Glücksspielmarkt ist es wichtig, dass eine große Konkurrenz vorhanden ist. Nur auf einem gut funktionierenden Markt setzen sich die besten Glücksspielanbieter durch.

Beim Glücksspiel geht es nicht nur um Qualität, sondern auch um Seriosität. Das ist ein wichtiges Thema, dass ein Stück weit konterkariert wird durch die neuen Pläne der italienischen Regierung. Wenn ein riesiger Markt vorhanden ist, die Anzahl der Anbieter aber klein gehalten wird, kann das verschiedene Effekte haben. Vielleicht werden die 40 Glücksspielanbieter in Zukunft den Markt abdecken, den bisher die 120 Glücksspielanbieter abgedeckt haben. Vielleicht werden sich aber viele Glücksspiel-Fans anders orientieren. Es gibt auch in Italien zahlreiche Offshore-Casinos, deren Betreiber sich nicht darum scheren, was die italienische Regierung möchte. Diese Anbieter werden auch in Zukunft verfügbar sein. Allerdings könnte dann die Konkurrenz auf dem legalen Markt deutlich kleiner sein als bisher, wenn die italienische Regierung ihre Pläne umsetzt.

EGBA sieht hohe Lizenzgebühren als Fehler

Grundsätzlich sieht die European Gaming and Betting Association kein Problem darin, strenge Lizenzregeln und auch Lizenzgebühren in einer vernünftigen Höhe umzusetzen. Auch Italien hat bislang eine vernünftige Regulierung des Glücksspiels hinbekommen, sogar im Internet. Doch mit den geplanten Lizenzgebühren könnte der gesamte Glücksspielmarkt in Italien durcheinandergewirbelt werden. Viele Glücksspielanbieter müssen sich vom italienischen Markt zurückziehen. Viele kleine Unternehmen, die bislang recht erfolgreich in Italien Online-Glücksspiele anbieten, werden es sich nicht leisten können, eine Lizenzgebühr in Höhe von 2,5 Millionen Euro zu bezahlen. Aber kann es wirklich sinnvoll sein, nur die großen Glücksspielanbieter auf dem Markt zuzulassen? In anderen Branchen hat sich schon oft gezeigt, dass es vor allem die kleinen Unternehmen sind, die für Innovationen sorgen. Auch in der Glücksspielbranche gibt es diese Erfahrung. Bei den Spieleherstellern ist es beispielsweise ziemlich offensichtlich, dass es vor allem aufstrebende junge Unternehmen sind, die besonders häufig attraktive Spiele auf den Markt bringen. Wer schon einen großen Marktanteil hat und auch nicht befürchten muss, dass die Anzahl der Konkurrenten wächst, muss sich vielleicht gar nicht mehr besonders anstrengen, um gute Geschäfte zu machen.

Theoretisch ist in Italien das Online-Glücksspiel seit 2019 gar nicht erlaubt. Praktisch gibt es aber einen riesigen Glücksspielmarkt. Mit der neuen Gesetzgebung will die italienische Regulierung dafür sorgen, dass ein solides Fundament geschaffen wird. Doch wenn ein großer Teil der vorhandenen Online Casinos ausgesperrt wird, kann das nicht wirklich gut funktionieren. Bislang ist es keinem EU-Land gelungen, einen eng regulierten Markt im Internet umzusetzen. Sogar die Schweiz, die rechtlich ganz andere Möglichkeiten hat als die EU-Länder, hat große Probleme mit der Kanalisierung. Nach wie vor können schweizerische Glücksspiel-Fans im Internet zahlreiche Offshore-Casinos ohne Lizenz finden und nutzen. Italien wäre gut beraten, in andere Länder zu schauen, die gute Erfahrungen mit der Regulierung des Online-Glücksspiels gemacht haben. Großbritannien ist zwar nicht mehr Mitglied der Europäischen Union, aber die UK Gambling Commission ist eine Top-Adresse, wenn es um Online-Glücksspiel geht. Auch in Dänemark funktioniert die Regulierung des Online-Glücksspiels gut. Italien macht genauso wie Deutschland im Moment wohl den Fehler, eine Glücksspielregulierung auf der Basis von Wunschvorstellungen zu planen. Dabei sollte gute Politik immer damit beginnen, die Realität anzuerkennen.